Italienische Intellektuelle: Konzilstexte revidieren! PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 30. September 2011 um 21:00 Uhr

In einer Supplik wenden sich zahlreiche italienische Intellektuelle an den Heiligen Vater und bitten darum, die Gesamtheit der Texte des 2. Vatikanischen Konzils einer intensiven Prüfung zu unterziehen. Hier der Text in Auszügen:

Bittschrift an den Heiligen Vater Benedikt XVI., Pontifex Maximus, feliciter regnans, eine vertiefte Untersuchung des ökumenischen Pastoralkonzils Vatikanum II einzuleiten.

Heiligkeit,

Mgr. Brunero Gherardini, Priester der Diözese Prato und Kanoniker der Basilika St. Peter, Ordinarius der Ekklesiologie an der Päpstlichen Universität des Lateran und Dekan der italienischen Theologie, hat im Jahre 2009 eine respektvolle Bittschrift an Eure Heiligkeit gerichtet mit dem Ziel, eine Erlaubnis zum Einleiten eines ausgewogenen und öffentlichen kritischen Diskurses über die Texte des Zweiten Vatikanums zu bekommen. Dieser Bitte hat sich im Jahre 2010 Professor Roberto de Mattei, Dekan der Kirchengeschichte und der Geschichte des Christentums an der Europäischen Universität Rom und Vizepräsident des Nationalen Forschungsrates, angeschlossen.

Für das Wohl der Kirche – und insbesondere für das Heil der Seelen, das ja ihre erste und 'suprema lex' ist – scheint es mir nach Jahrzehnten einer sich auf das Konzil berufenden freien Kreativität auf exegetischem, theologischem, liturgischem, historiographischem und pastoralem Gebiet dringlich zu sein, nunmehr ein wenig Klarheit zu schaffen und wohlwollend auf die Frage seiner Kontinuität mit den anderen Konzilien und seiner Treue zur immerwährenden Tradition einzugehen, die in der Kirche immer gültig ist.

Tatsächlich erscheint es schwierig, wenn nicht gar unmöglich, die erwartete Hermeneutik der Kontinuität (mit dem gesamten vorhergehenden Lehramt) zu beginnen, wenn man nicht zuvor eine aufmerksame und wissenschaftliche Untersuchung der Dokumente in ihrer Gesamtheit unternimmt, und zwar in jedem einzelnen ihrer Argumente und ihrer unmittelbaren oder älteren Quellen, und dass man weiterhin von ihnen spricht, indem man lediglich deren Inhalt wiederholt und diesen als absolute Neuheit vorstellt.

…/...

Es ergibt sich also der Gedanke einer umfassenden und möglicherweise endgültigen Aufarbeitung des Konzils in jedem seiner Aspekte und Inhalte, den ich Eurer Heiligkeit vorzulegen wage. Es erscheint logisch, alle seine Aspekte für sich selbst genommen und in ihrem Zusammenhang zu studieren und sich dabei auf die Quellen für sich genommen und in ihrem Zusammenhang festzulegen, und zwar unter dem Blickwinkel des vorhergehenden, feierlichen und ordentlichen Lehramtes.

…/... um Antworten auf die folgenden Fragen zu suchen:

 

  1. Welches ist die Natur dieses Konzils?

  2. Kann man daraus schließen, dass dieses ein dogmatisches Konzil ist?

  3. Was ist mit dem vorhergehenden Lehramt? Lebt die gesamte Vergangenheit „eodem sensu eademque sententia“ in ihm?

  4. Es ist offensichtlich, dass die Hermeneutik der Kontinuität oder des Bruches von der Antwort auf diese Fragen abhängt... Wenn aber die Schlussfolgerung diejenige der Kontinuität als einzigem möglichen Weg ist, dann wird der Nachweis nötig sein, dass diese Kontinuität gegeben ist. …/...
    Alle Unterzeichner, als die einfachen Gläubigen, die wir sind, schließen sich ganz dieser respektvollen Bitte an, und wir erlauben uns, einige weitere Fragen zu ergänzen, die einer Klärung bedürfen …/...

  5. Welche genaue Bedeutung soll dem Konzept der „lebendigen Tradition“ der Konstitution Dei Verbum beigemessen werden? …/...

  6. Welche genaue Bedeutung soll der neuen Definition der katholischen Kirche beigemessen werden, die in der dogmatischen Konstitution Lumen gentium (welche allerdings kein Dogma definiert) enthalten ist? .../...

  7. Welche genaue Bedeutung soll dem Begriff der Kirche als Volk Gottes beigemessen werden? .../...

  8. Welchen Sinn soll man hinter der Auslassung der Begriffe „übernatürlich“ und „Transsubstantiation“ in den Texten des Konzils sehen?

  9. Welche genaue Bedeutung soll dem Begriff der Kollegialität beigemessen werden? .../... eine klassische Interpretation, nach der der Papst der Inhaber der höchsten Gewalt bleibt, die er mit der Gesamtheit der beim Konzil versammelten Bischöfen teilt, falls er es für richtig erachtet? .../...

  10. Welche genaue Bedeutung soll dem Bild des Priesters heute beigemessen werden, welcher vom „Priester Jesu Christi“ zum „Priester des Gottesvolkes“ herabgestuft wurde? .../...

  11. Welche genaue Bedeutung soll dem Prinzip der Kreativität in der Heiligen Liturgie beigemessen werden, welche aus den Kompetenzen resultiert, die man den Bischofskonferenzen in diesem Bereich zugestanden hat? .../... Wir können an dieser Stelle nicht alle Fragen zusammenfassen, welche sich aus den Texten des Konzils ergeben, wie zum Beispiel über die Gewissensfreiheit oder den Ökumenismus; wir erlauben uns jedoch, die folgenden Punkte noch anzufügen:

  12. Steht das Prinzip der Religionsfreiheit, welches zum ersten Mal in der Kirchengeschichte als Menschenrecht oder als naturgegebenes Recht proklamiert wurde, egal, welcher Religion man angehört, über den Rechten der einzigen geoffenbarten Wahrheit .../... inwieweit unterscheidet es sich von der laizistischen Gewissensfreiheit, welche von der ultralaizistischen und antichristlichen Französischen Revolution auf einen Ehrenplatz erhoben wurde?

  13. Das Ziel des aktuellen Ökumenismus scheint eine messianische Ära des Friedens und der Brüderlichkeit zu sein, welche die Bekehrung zu Christus zurücktreten lässt mit dem Ziel eines Zusammenschlusses zu einer Art weltweiter Kirche oder Religion .../... Muss nicht die gesamte Positionierung der nachkonziliaren Kirche im Hinblick auf die zeitgenössische Welt neu überdacht werden?

Eure Heiligkeit,

die Fragen, die wir Ihnen vorzulegen die Kühnheit haben, können sicherlich jenem Teil der Hierarchie missfallen, der vor zwei Jahren die Bittschrift von Mgr. Gherardini missbilligte. Es handelt sich um jenen Teil, der die Schwere der Krise noch nicht verstanden hat, durch welche die Kirche seit fünfzig Jahren geht .../... wie in den Werken der Professoren de Mattei, P. Ralph M. Wiltgen SVD und Romano Amerio nachgewiesen.

Dieses Ersuchen, das wir in dieser Bittschrift mit tiefster Ergebenheit vorlegen, scheint uns – wir wagen. es zu sagen - mit Ihrem Werk der Wiederherstellung der kämpfenden Kirche vollkommen übereinzustimmen, welches Eure Heiligkeit trotz der Schwierigkeiten und Widerstände aller Art so mutig unternommen haben.

Wir beziehen uns hier nicht nur auf das unbeugsame Vorgehen Eurer Heiligkeit gegen den vielfältigen Verfall, der in die Kirche eingedrungen ist .../... Wir beziehen uns auch auf die Liberalisierung der Zelebration der Heiligen Messe .../... Wir beziehen uns auch auf Ihre Rücknahme der Exkommunikationen, die aus disziplinarischen Gründen auf den Bischöfen der von S. E. Mgr. Marcel Lefebvre gegründeten Bruderschaft St. Pius X. lasteten. Diese Wiederzulassung war respektvoll, jedoch hartnäckig von Eurer Heiligkeit erbeten worden; zu diesem Zweck wurde ein internationaler Rosenkranz-Kreuzzug ins Leben gerufen, der eine lebhafte Beteiligung der Gläubigen fand. In allen diesen Taten, die für die Wiedergeburt der Kirche sicherlich von allerhöchster Bedeutung sind, mit dem Motu proprio aus Ihrer vollen Autorität als Pontifex Maximus, die sich aus Ihrer potestas iurisdictionis über die gesamte Kirche Jesu Christi ableitet, sieht unser sensus fidei einfacher Katholiken das eindeutige Wirken des Heiligen Geistes.

Wir schließen unsere bescheidene Bittschrift, indem wir Seine Hilfe anrufen, damit Eure Heiligkeit in Ihr Werk der Erneuerung der Kirche, welche Christus wieder zur Mitte der Katholizität macht (Eph. 1,10), auch die ersehnte Neuüberprüfung des Konzils einschließen möge.

In kindlicher Ergebenheit und Ehrerbietung

in Domino et in corde Mariae,

24. September 2011

 

(Quelle: Missa in Latino)


E-Mail




 
 
Brief an die Freunde und Wohltäter Nr. 82

 
Erklärung des Generaloberen Bischof Fellay über die neue Pastoral der Ehe gemäß Kardinal Walter Kasper

 
Mitteilungsblatt

Gerne senden wir Ihnen das monatliche Informationsblatt der Priesterbruderschaft.

Button MB 2

 
Häufig gestellte Fragen

Meistgestellte Fragen

Stellenangebot Erzieherin/Betreuerin (St.-Theresien-Gymnasium)

intro st theresien

 
Brief an die Freunde und Wohltäter - neuer Rosenkranzkreuzzug

mgr fellay lab81

 
Offizielle Erklärung der Bischöfe der Bruderschaft

b weihen intro

 
Die katholischen Jugend der Tradition

tumbnail

 
Video von der Kirchweihe in Berlin (14 min)

kirchweihe berlin

 
Europäische Bürgerinitiative zum Schutz des Lebens

eu initiative

 
Spenden

Helfen Sie mit!
Ihre Spende zählt!

 
Ein Tag im Kloster

schwestern video

 
Aus der Reihe Humor...

 
Helfen Sie dem Theresiengymnasium!

alt

 
Lesen Sie das...

 
Zusammenfassung

Wofür steht die Priesterbruderschaft St. Pius X.?