Beziehungen zu Rom: "Wir sind keine 88er." PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 11. Mai 2012 um 11:44 Uhr

kommunionPater Michael Simoulin, Kaplan der Schulen der traditionellen Dominikanerinnen von Fanjeaux (Frankreich) und ehemaliger Direktor des Seminars von Ecône (Schweiz), hat im Rundschreiben "Le Seignadou" vom Mai sich zu den Verhandlungen mit Rom geäußert:

"Um das Wort eines unserer Bischöfe anzuführen: Machen wir nicht ein 88er-System! Wir sind weder im Jahr 1975 mit Paul VI. noch im Jahr 1988 mit Johannes Paul II., sondern im Jahr 2012 mit Benedikt XVI."

pius.info hat diesen lesenswerten Text vollständig für Sie übersetzt.

 

Seignadou – Ausgabe vom Mai 2012

Ich weiß nicht, welches die Lage sein wird im Augenblick der Veröffentlichung dieser Nummer von Seignadou; aber ich glaube, dass es nicht unnütz ist, gemeinsam über die gegenwärtigen Ereignisse nachzudenken. Ich spreche nicht über diese republikanische Maskerade, die uns halbtot schlägt, sondern über unsere Beziehungen mit Rom.

Jemand hat mir vor kurzem einen Text - mit folgendem Aufruf verziert - zukommen lassen: „Wann werden wir endlich zu den Grundlagen der Bruderschaft zurückkehren? Wann werden wir die Demut an den Tag legen, um das Erbe seines Gründers zu respektieren?“

Ich glaube, die Bruderschaft ein wenig zu kennen – seit 35 Jahren gehöre ich ihr als Mitglied an – und folglich das Recht zu haben, daran zu erinnern, dass unsere „Grundlagen“ mit goldenen Lettern in unseren Statuten geschrieben sind:

"Das Ziel der Bruderschaft ist das Priestertum und alles, was sich darauf bezieht, und nichts anderes, als was es beinhaltet, das heißt so, wie es unser Herr Jesus Christus gewollt hat, als er sprach: Tut dies zu meinem Gedächtnis.“

Dies ist das Erbe unseres Gründers, dies sind unsere „Grundlagen“. Wir haben keine anderen, und wir wollen keine anderen haben. Die Bruderschaft ist nicht eine gegen Rom gerichtete Armee, sondern eine für die Kirche aufgestellte Armee.

Dann wird angespielt auf die Tatsache, dass sich Mgr. Lefebvre 1988 geweigert hat, den Weg der Einigung fortzusetzen. Und man zitiert hier Mgr. Lefebvre: „Mit dem Protokoll des 5. Mai wären wir sehr bald tot gewesen. Wir hätten nicht ein Jahr überlebt...“ Und all dies natürlich, um uns zu warnen und uns aufzufordern, jedes römische Angebot zurückzuweisen - und dies „unter Lebensgefahr“.

Ein anderes Echo erreicht mich noch: „Es ereignen sich in Rom sehr schwerwiegende Dinge, sehr schwerwiegende... Aber ich möchte Ihnen nicht mehr dazu sagen!“ Mit solchen Aussagen kommt man natürlich sehr weit!

Versuchen wir also, die Vernunft walten zu lassen. Um dies zu tun, ist es gut, uns die Ereignisse von 1988 ins Gedächtnis zu rufen. Nachdem Mgr. Lefebvre das Protokoll vom 5. Mai unterzeichnet hatte (dieses war noch kein Abkommen, wohl aber ein sehr unvollkommener und selbst gefährlicher Text, der den Erzbischof nicht schlafen ließ), schrieb er am 6. Mai einen Brief an Kardinal Ratzinger, nicht um seine Unterschrift zu widerrufen („Gestern habe ich mit einer wirklichen Genugtuung meine Unterschrift unter das in den letzten Tagen erstellte Protokoll gesetzt. Aber Sie haben selbst eine tiefe Enttäuschung festgestellt beim Lesen des Briefes, den Sie mir überreicht haben, in dem die Antwort des Heiligen Vaters bezüglich der Bischofskonsekration enthalten ist.“), sondern um inständig darum zu bitten, dass diese Konsekration am 30. Juni stattfinden könne, um sicher zu sein, einen Bischof zu haben, um das Werk fortzusetzen.

Dieser Brief vom 6. Mai handelt in seiner Gänze und einzig und allein über diesen einen Punkt: „Wenn die Antwort negativ sein sollte, so würde ich mich im Gewissen verpflichtet sehen, die Konsekrationen vorzunehmen, wobei ich mich stützen würde auf die Genehmigung des Heiligen Stuhles, die in dem Protokoll enthalten ist, für die Konsekration eines Bischofs, Mitglied der Bruderschaft.“

Es geht also weder um eine lehrmäßige Frage noch um den Status, der der Bruderschaft angeboten wird, sondern um das Datum der Konsekration des zugestandenen Bischofs, als die Verhandlungen abbrechen. Und es ist hervorzuheben, dass der Bruch der Beziehungen nicht von Erzbischof Lefebvre entschieden worden ist, sondern von Kardinal Ratzinger, der die Bischofskonsekration am 30. Juni zurückwies.

Hätte in der Tat Erzbischof Lefebvre zugestimmt, dass dem Protokoll des 5. Mai keine Bischofskonsekration folgen würde, dann ja: „Mit dem Protokoll des 5. Mai wären wir sehr bald tot gewesen. Wir hätten nicht ein Jahr überlebt...“, denn ohne Bischof wären wir dem guten oder bösen Wollen Roms und der Bischöfe ausgeliefert gewesen.

Seit der Jubiläumswallfahrt des Jahres 2000 hat Rom die Initiative für neue Beziehungen ergriffen. Heute hat derselbe Kardinal, der inzwischen Papst geworden ist, uns gesagt, dass die tridentinische Messe nie abgeschafft worden ist (7. Juli 2007: „Demnach ist es erlaubt, das Messopfer nach der vom sel. Johannes XXIII. promulgierten und niemals abgeschafften Editio typica des Römischen Messbuchs zu feiern.“). Er hat unsere vier Bischöfe rehabilitiert (21. Januar 2009); er war damit einverstanden, dass wir während zweier Jahre lehrmäßige Debatten führen -  alles Dinge, die Mgr. Lefebvre 1988 nicht erbeten hatte.

Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass Bischof Fellay mehr erreichte als das, was Erzbischof Lefebvre erbeten hatte, ohne das Prestige oder die moralische Autorität des Letzteren zu haben. Sollten wir dann mehr fordern als Erzbischof Lefebvre oder Bischof Fellay?

Was auch immer der Zustand von Rom sein mag, bei all dem, was in Rom noch beunruhigend bleibt: Der gesunde Menschenverstand und die Ehrlichkeit sollten uns dazu führen, die gegenwärtige Situation mit einem anderen Auge zu betrachten, als dies 1988 geschehen ist.

Um das Wort eines unserer Bischöfe anzuführen: Machen wir nicht ein 88er-System! Wir sind weder im Jahr 1975 mit Paul VI. noch im Jahr 1988 mit Johannes Paul II., sondern im Jahr 2012 mit Benedikt XVI.

Man möge mir so viel und so oft sagen, wie man will, dass der Zustand der Kirche noch sehr besorgniserregend ist, dass unser Papst eine bisweilen sonderbare Theologie hat etc... Wir haben all das hinreichend gesagt, so scheint es mir.

Aber man möge mir nicht sagen, dass der Zustand der Dinge derselbe ist wie 1988 oder sogar schlimmer. Dies steht im Gegensatz zur Wirklichkeit und zur Wahrheit, und dies kann nur die Folge einer mehr oder weniger geheimen Zurückweisung jeder Versöhnung mit Rom sein, die vielleicht sogar aus einem Fehlen an Glauben an die Heiligkeit der Kirche fließt, die ihrerseits aus armen Sündern zusammengesetzt ist, aber stets von ihrem Haupt Jesus Christus geleitet und vom Heiligen Geist geheiligt wird. Die Bruderschaft ist nicht die Kirche, und sie kann nur „das Erbe ihres Gründers bewahren“, indem sie seinen Geist bewahrt, seine Liebe zur Kirche und sein Verlangen, ihr als liebender Sohn zu dienen in der Treue zum Gründersegen.

Ich weiß nicht, ob alle das Gewicht dieser Entscheidung, die allein Mgr. Fellay zusteht, ermessen, eine Entscheidung, die ihm aufs Neue die in Albano im Oktober zusammengekommenen Oberen übertragen haben, eine Entscheidung, die mit seinen Assistenten heranreifen muss: Was erwartet die Kirche von der Bruderschaft im Jahr 2012? Wie muss die Bruderschaft auf die Bedürfnisse der Kirche heute antworten?

Dies verlangt eine im höchsten Maße übernatürliche Tugend der Klugheit, in einem Grad, zu dem keiner von uns die Gnade hat zu gelangen, denn dies liegt nicht in unserer Kompetenz und nicht in unserer Verantwortung. Allein Mgr. Fellay und seine Assistenten haben definitionsgemäß alle Karten in der Hand und können ein gerechtes Urteil über die gegenwärtige Situation fällen.

Die Frage, die jeden Einzelnen von uns angeht, ist jene unseres Wohlwollens gegenüber der Autorität und vor allem unseres Vertrauens in sie. Seit zwölf Jahren argumentiert Mgr. Fellay mit Rom, mit Höhen und Tiefen, um schließlich zu Ergebnissen zu kommen, wie sie oben angeführt worden sind, und selbst zum erstaunlichen Ergebnis, das vielleicht noch niemand herausgestellt hat: Diese lehrmäßigen Debatten, die in der Öffentlichkeit keinen Lärm verursacht haben und die uns erlaubt haben, Rom zu sagen, was wir denken...

Und was hat man dabei bezüglich des Schweigens der Oberen über diese Diskussionen und die ausgetauschten Dokumente nicht alles gehört in diesen letzten Monaten wegen der großen Diskretion aus Respekt für Rom und den Heiligen Vater! Sie wurden interpretiert als eine Form der Verschleierung, sogar als ein Beginn des Kompromisses. Wie kann man an der Geradlinigkeit unserer Oberen so grundlos und willkürlich zweifeln?

Niemand weiß, welche Konklusion Benedikt XVI. diesen zwölf Jahren langsamer Arbeit, des Suchens nach einem besseren Verständnis und der angesammelten Gebete und Rosenkränze zu geben wünscht. Die Zeit ist da zu beten - wozu Mgr. Fellay uns aufruft. Und auch die Zeit des Vertrauens in die Kirche. Die Unbefleckte Jungfrau, die wir in diesem Monat Mai in besonderer Weise verehren, wird es verstehen, uns all die notwendigen Gnaden zu erlangen, wenn wir nichts anderes anstreben als den Sieg ihres Sohnes und der Kirche.

Abbé Michel Simoulin


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