Bischof Müller äußert sich zu den Vorwürfen der Piusbruderschaft PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, den 11. Juli 2012 um 11:00 Uhr

muellerS.E. Bischof Müller hat sich auf Anfrage der dapd zu den Vorwürfen der Piusbruderschaft geäußert.

Der neue Präfekt der Glaubenskongregation weist Kritik an seinen umstrittenen Äußerungen zur Jungfrauengeburt (Jungfrauschaft Mariens im Augenblick der Geburt) und anderen zweideutigen Formulierungen zurück.

Mit Blick auf den Vorwurf, er würde Irrlehren verbreiten, sagte der 64-Jährige der Nachrichtenagentur dapd: "Was Häresie ist, muss das kirchliche Lehramt feststellen - der Papst, die Bischöfe."

Der Kurienerzbischof fügte aber hinzu: "Es wäre wichtig, dass Absplitterungen, die es auch in andere Richtungen gibt, überwunden werden."

Derzeit tagt im schweizerischen Ecône das Generalkapitel der Piusbruderschaft und berät dabei auch über die Bedingungen für eine Aussöhnung mit dem Vatikan. Müller ist in seinem neuen Amt für den Dialog mit den Traditionalisten zuständig.

Bischof Müller hat auch kurz nach seiner Ernennung der KNA bezüglich der Piusbruderschaft eine Antwort gegeben:

KNA: Das Konzil schaffte freilich auch Probleme, etwa für die Piusbrüder.

Müller: Jeder, der sich katholisch nennt, sollte sich auch an die Prinzipien des katholischen Glaubens halten. Diese werden ja nicht von der Glaubenskongregation oder sonst jemandem vorformuliert, sondern sind uns in der Offenbarung Gottes in Jesus Christus vorgegeben, die der Kirche anvertraut ist. Man kann daher nicht einfach auswählen, was einem in ein vorgegebenes Schema hineinpasst. Vielmehr muss man sich dem Ganzen des christlichen Glaubens, dem ganzen Glaubensbekenntnis, der Geschichte der Kirche und ihrer Lehrentwicklung öffnen. Man muss sich der lebendigen Tradition öffnen, die nicht irgendwann - etwa 1950 - abbricht, sondern die weitergeht. So sehr wir auch die Geschichte mit ihren großen Ergebnissen und Wirkungen würdigen, so müssen wir doch sehen, dass jede Epoche auch unmittelbar zu Gott steht. Jede Epoche hat ihre eigene Herausforderung. Wir können nicht eine geschichtliche Epoche zum klassischen Muster erklären, sondern wir wandeln von einem Gipfel zum nächsten Gipfel.

 

Kommentar: Eine typische Patt-Situation - oder mit Goethe gesprochen: "Der Kessel schilt den Ofentopf, schwarz sind sie alle beide." Das zumindest ist der Eindruck, den ein Außenstehender bekommt: Auf der einen Seite der neu ernannte Präfekt der Glaubenskongregation, der in der Piusbruderschaft "eine Splittergruppe" sieht, die sich mutmaßlich "nicht an die Prinzipien des katholischen Glaubens" hält und deren Tradition "irgendwann - etwa 1950 - abbricht", auf der anderen Seite die Piusbruderschaft, die schon lange vor seiner Ernennung zum Präfekten auf die theologisch fehlerhaften Formulierungen in Müllers Werken hingewiesen hat.

Gut, es sei die Klärung der umstrittenen Passagen (die Liste ist leider noch länger, als in der Presseerklärung angeführt) einmal außen vor oder besser gesagt – gemäß dem Wunsch des Präfekten – dem Papst überlassen.

Dann ist dennoch ein Punkt mit Sicherheit für die kommenden Gespräche von zentraler Bedeutung: Welches Bild hat der neue Hüter des katholischen Glaubens von der Bruderschaft?

Hier gibt es ohne Zweifel Korrekturbedarf. Es scheint, als gehe Bischof Müller mit der Auffassung in die Gespräche, die Bruderschaft sei einfach eine in der Vergangenheit stecken gebliebene Ordensgemeinschaft, der es um viel Weihrauch, barockes Brimborium und alte Gesänge geht. Es seien halt Dickköpfe, welche die notwendigen Reformen ablehnen, gerne nörgeln und kritisieren und die nicht begriffen haben, dass sich die Kirche im Sinne einer Kontinuität in den letzten 50 Jahren weiterentwickelt hat.

Sollte Bischof Müller das wirklich von der Bruderschaft denken, dann braucht man nicht Kassandra zu sein, um zu prophezeihen, dass die Gespräche kläglich scheitern werden. Denn dann wird der Bischof einfach das fordern, was er bereits angedeutet hat, nämlich dass die Piusbrüder die Kröte schlucken. Die Kröte ist in diesem Fall das Konzil, genauer gesagt, jene Stellen, die einen eindeutigen Bruch mit der Tradition markieren.

Um dieses Scheitern zu vermeiden, ist es wichtig zu begreifen, warum Erzbischof Lefebvre die Bruderschaft gegründet hat. Nicht um die Asche der Fünfzigerjahre in einem rostigen Schäufelchen wie die Urne eines geliebten Verstorbenen herumzuschleppen, sondern um die herrlich strahlende, immer aktuelle Lehre und Liturgie der Kirche aller Zeiten in das Jahr 2012 mitzubringen, weiterzugeben, lebendig zu halten. Warum ist die Piusbruderschaft der einzig wachsende Orden nach dem Konzil? Warum sind gerade so viele Jugendliche in den Reihen der Tradition, warum haben die Piusbrüder so viele Familien und Kinder in ihren Kirchen? Ist das das Zeichen einer erkalteten Asche? Oder vielmehr der Beweis eines lebendigen Feuers?

Der Grund, welcher den großen Bischof aus Lille dazu bewegte, eine eigene Bruderschaft zu gründen, war eben nicht eine Diskussion um einen "klassischen Ritus" und eine "Wohlfühl-Niesche für Nostalgiker", sondern die klare und unmissverständliche Erkenntnis: Die umstrittenen Stellen des Konzils stellen einen Bruch mit der gesamten Tradition dar (Kardinal Ratzinger sprach einmal vom Konzil, das zum "Super-Dogma" erhoben wurde) und haben eine Entwicklung grundgelegt, die heute in der fast vollständigen Protestantisierung der katholischen Kirche mündet. Alle rebellischen Kräfte innerhalb der Kirche (die unseligen "Aufruf zum Ungehorsam"-Bewegungen des Klerus und der Universitäten) warten ja nur noch auf die letzten Schlusssteine dieses neuen protestantischen Kirchenverständnisses: Aufhebung des Zölibats, Frauenpriestertum, Ehescheidung. Die Übereinstimmung der ehemals katholischen Kirche mit der Gemeinschaft von Martin Luther wird dann zu 100 Prozent erreicht sein.

Bischof Müller kritisiert zu Recht diese Ungehorsamsbewegungen, er kritisiert zu Recht die Forderungen nach dem Frauenpriestertum usw. und wird dafür ja als konservativ "gescholten".

Warum aber scheint er nicht zu sehen, dass es genau diese Forderungen sind, welche sich allesamt auf die neue Ära berufen, die mit dem Konzil eingeläutet wurde.

Es ist eben eine Einseitigkeit, das Konzil nur von den schönen, positiven Texten her zu sehen, die es zweifelsohne gibt. Für jeden Bischof der katholischen Kirche ist es heutzutage wichtig, die Position von Erzbischof Lefebvre zu begreifen: Es gibt einen wesentlichen Zusammenhang zwischen dem katastrophalen Glaubensschwund und der erschreckenden Profanierung der Liturgie der letzten 40 Jahre (vgl. Mosebach: "Die Häresie der Formlosigkeit") und den modernistischen Kräften innerhalb der Kirche, welche bewusst das Konzil verwendet haben, um eine neue Theologie grundzulegen.

Auch in Bezug auf die Bruderschaft wäre es wünschenswert, wenn Bischof Müller genauer hinsehen würde: Es handelt sich hier nicht um einen Verein von Pauschal-Verneinern: Das Konzil ist auch für die Piusbruderschaft eine legitime Kirchenversammlung, nicht umsonst war ihr Gründer, Erzbischof Lefebvre, in der offiziellen Vorbereitungskommission und hat an allen Sitzungen teilgenommen.

Es geht nicht darum zu behaupten, die Kirche sei nach 1950 paralysiert worden. Dann wäre man in der Tat bei einer sedesvakantistischen Splittergruppe. Es geht um jene Texte innerhalb des Konzils, die nachweislich keine dogmatische Verpflichtung besitzen und deswegen der theologischen Diskussion unterliegen. Jene Aussagen, die in der nachkonziliaren Zeit verheerende Folgen für das Selbstverständnis der Kirche zeigten und die deswegen keine Kontinuität mit dem bisherigen Lehramt darstellen, sondern zu einer gefährlichen Entfernung vom eigentlichen Wesen der Kirche führen.

Dies zu korrigieren bzw. im Vorfeld zuzugestehen, dass die Korrekturarbeiten beginnen dürfen, d.h. dass Theologen innerhalb der Kirche diese Texte kritisieren und überprüfen, das wird man der Bruderschaft zugestehen müssen. Um die Wahrheit wieder erstrahlen zu lassen, muss die Möglichkeit eingeräumt werden, Hand an die Korrektur der Irrtümer zu legen.

Wenn aber die Glaubenskongregation in Rom unter dem Vorsitz von Bischof Müller darauf besteht, eben jene umstrittenen Stellen müssten von vornherein bedingungslos anerkannt (statt kritisiert) werden, dann werden die ganzen Verhandlungen ausgehen wie das Hornberger Schießen.

Und das ist bekanntlich vollständig verpufft.


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