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Gestern berichtete die große jüdische Tageszeitung Ha'Aretz über neue Forschungsergebnisse bezüglich der Haltung Papst Pius XII. zum Naziregime. "Alles, was wir bislang herausgefunden haben, scheint darauf hinzudeuten, dass das negative Bild von Papst Pius XII. falsch ist", heißt es in dem Artikel, der den Titel trägt: "Pope Pius XII. saved thousands of Jews".
Rund 200.000 Juden konnten durch die Hilfe von Pius XII. aus dem von den Nazis okkupierten Deutschland fliehen, berichtet die Zeitung und stützt sich dabei auf einen Bericht des Daily Telegraph. Lesen Sie hier die Übersetzung aus dem Englischen.
Neue Forschungen haben ergeben, dass Papst Pius XII. für die Auswanderung von rund 200.000 Juden aus Deutschland drei Wochen nach der "Reichskristallnacht" gesorgt haben könnte, berichte der Daily Telegraph am Dienstag.
Diese Forschungen werden von Dr. Michael Hesemann, einem deutschen Historiker, durchgeführt. Er durchkämmt die Archive des Vatikan im Auftrag der Pave the Way Foundation, einer interreligiösen Stiftung mit Sitz in den Vereinigten Staaten.
Papst Pius XII. ist wegen seines Schweigens während des Holocaust und aufgrund des Umstandes, dass er den Holocaust und das Naziregime nicht öffentlich anprangerte oder Hitler exkommunizierte, viel kritisiert worden. Die neuen Forschungsergebnisse zeigen jedoch auf, dass das Bild von Pius XII. als "Hitlers Papst" historisch falsch sein könnte.
Die "Reichskristallnacht" fand vom 9. bis 10. November 1938 statt. 91 Juden in Deutschland und Österreich wurden bei antijüdischen Pogromen getötet; Zehntausende wurden inhaftiert und in Konzentrationslager gebracht. Tausende Häuser, Gebäude und Synagogen wurden zerstört.
Hesemann sagte, dass Kardinal Eugenio Pacelli - der zukünftige Papst Pius XII. - am 30. November 1938 einen Brief geschrieben habe, in dem er die katholischen Erzbischöfe in der ganzen Welt dringend dazu aufforderte, sich um Visa für "nicht-arische Katholiken" und "zum Christentum konvertierte Juden", die aus Deutschland fliehen wollten, zu bemühen.
Hesemann zufolge gebe es deutliche Hinweise dafür, dass die Visa gewöhnlichen Juden erteilt wurden und dass die Begriffe "konvertierte Juden" und "nicht-arische Katholiken" Tarnbezeichnungen gewesen seien, welche die Nazis daran hindern sollten, den eigentlichen Zweck der Visa herauszufinden. Elliot Hershberg, der Vorsitzende der Pave the Way Foundation, wurde in dem Bericht des Daily Telegraph wie folgt zitiert: "Wir glauben, dass viele Juden, die Europa erfolgreich verlassen konnten, keine Ahnung davon hatten, dass sie ihre Visa und Reisedokumente diesen Bemühungen des Vatikan verdanken konnten. Alles, was wir bislang herausgefunden haben, scheint darauf hinzudeuten, dass das negative Bild von Papst Pius XII. falsch ist."
Quelle: Haaretz, 7.7. 2010 (Original in englischer Sprache)
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