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Kapuziner: Das Franziskanerkloster

intro-bildDer heilige Franz von Assisi (1181-1226) hatte den Orden der Minderen Brüder gegründet, auch Kleine Brüder genannt. Nach seinem Tod erfuhr der Orden immer wieder Reformierungen, wodurch sich der Orden in verschiedene Gruppen aufspaltete. Im Jahre 1897 reorganisierte Papst Leo XIII die Minderen Brüder in drei Zweigen:

1) Der Orden der Minderen Brüder der Leonischen Union
2) Der Ordern der Minderen Brüder Konventualen
3) Der Orden der Minderen Brüder Kapuziner


Während die Konventualen und Kapuziner bereits bestanden haben, wurden die kleineren Gruppen zu dem Orden der Minderen Brüder der Leonischen Union zusammengefasst; sie werden auch sehr einfach Der Orden der Minderen Brüder, Observanten oder „Franziskaner“ genannt. Alle diese drei Orden sind wahrhaft franziskanisch, folgen also der Regel des heiligen Franziskus. Sie unterscheiden sich in ihren Statuten, und es gibt leichte Unterschiede in ihren Ordenstrachten, so tragen die Kapuziner zum Beispiel einen Bart, während die anderen sich rasieren.

Die Kapuziner sind die strengsten Befolger der Franziskanischen Regel, während die Konventualen die leichteste Regel haben. Die Observanten oder „Franziskaner“ liegen dazwischen, stehen jedoch den Kapuzinern näher. Die Kapuziner wurden 1525 in Italien vom Seligen Matteo da Bascio gegründet, welcher zum wahren Geist des heiligen Franziskus zurückkehren wollte. Sogar der Habit ist dem Original näher. Der Name kommt vom italienischen cappuccino („kleiner Hut“): Die Kinder machten sich über die Kapuzen der neuen Brüder lustig, welche im Vergleich zu denen der anderen Franziskaner viel größer waren. Der Cappuccino-Kaffee verdankt übrigens seinen Namen der Farbe des Habits, der diesem entsprechen soll.

Der Geist des heiligen Franziskus

Das Ideal des heiligen Franziskus war es Christus als dem Armen und Gekreuzigten nachzufolgen und ihn zu nachzuahmen: arm in seiner Geburt im Stall, arm in seinem schmachvollen Tod am Kreuz, arm im hl. Altarsakrament unter den bescheidenen Gestalten von Brot und Wein.

Die ersten Kapuziner wollten diesem Ideal so getreu wie möglich folgen durch ein Leben des Gebetes und der Buße in Armut, Keuschheit und Gehorsam, gemäß der strengen Auslegung der Regel des heiligen Franz. Unsere Statuten sind seit 1525 dieselben geblieben und erfuhren nur kleinere Abänderungen wie z.B. jene von 1909, als das Generalkapitel die Statuten neu ordnete, vorhandene Lücken schloss und Missbräuche, die sich eingeschlichen hatten, korrigierte: Diese überarbeiteten (nicht neuen) Statuten wurden vom hl. Papst Pius X bestätigt. Im Jahre 1925 wurden sie dem überarbeiteten Kanonischen Recht angepasst, allerdings waren diese Anpassungen und Überarbeitungen nichts im Vergleich zu den radikalen Veränderungen des Jahres 1968.
Das Zweite Vatikanische Konzil hat die religiösen Orden aufgefordert, ihre Statuten „in geeigneter Weise“ zu überarbeiten, jeder nach dem „ursprünglichen Geist seiner Einrichtung“; keinesfalls verlangte das Konzil jedoch neue Statuten. Was aber 1968 geschah, war eine Revolution. Die Kapuziner änderten ihre Statuten völlig, und nahmen eine vollkommen andere Lebensweise und ein anderes Selbstverständnis an. Viele versuchten, sich zu widersetzen und wurden deshalb genötigt, den Orden zu verlassen, was sie dazu bewog, neue Gruppen zu gründen; doch dann waren sie keine Kapuziner mehr.

Unsere Gemeinschaft in Morgon

Unsere Gemeinschaft wurde von dem verstorbenen Pater Eugene de Villeurbanne (1904-1990 R.I.P.) gegründet, der vor dem Konzil ein sehr aktives Mitglied des Ordens gewesen war. Nach dem Konzil erhielt er die Erlaubnis, außerhalb der Gemeinschaft als ein Einsiedler zu leben. Als junge Menschen begannen, sich ihm beizugesellen, die keine modernen Kapuziner, sondern richtige Kapuziner wie er werden wollten, sah es Pater Eugene als ein Zeichen Gottes an, ein Noviziat zu gründen, um den wahren kapuzinischen und franziskanischen Geist am Leben zu erhalten. So kam es, dass unsere Gemeinschaft gegründet wurde.


Ehrwürdiger Pater Eugene de Villeurbanne († 10. Juni 1990),
der Gründer des traditionellen Zweiges

 

Unsere Lebensweise

Unsere Lebensweise ist hauptsächlich kontemplativ, aber unsere Priester gehen auch in die Welt, um Missionen und Exerzitien zu predigen, sowie um Beichte zu hören. Das gemeinsame Gebet des heiligen Offiziums nimmt einen Großteil unseres Tages in Anspruch. Wir gehen um halb neun schlafen, stehen um Mitternacht auf, um die Matutin und Laudes zu beten und gehen danach um ungefähr 10 vor eins wieder zu Bett. Danach stehen wir um 20 vor 5 Uhr zum stillen Gebet auf, so dass wir, trotz der Unterbrechungen, insgesamt 7 Stunden schlafen. Nicht alle Brüder können dies tun; die Seminaristen, die Laienbrüder während ihres Noviziats und der drei Jahre ihrer einfachen Gelübde sowie die Priester, denen eine schwere Aufgabe wie der Unterricht oder die Vorbereitung für das Predigen von Missionen und Exerzitien obliegt, sind nicht verpflichtet, diesem Ablauf in voller Strenge zu folgen; jene Brüder, die sich daran halten, haben jedoch gewöhnlich eine Zeit der Ruhe am frühen Nachmittag.

Wir haben zwei Stunden am Tag Betrachtung, am Morgen und Abend. Zudem beten wir den Rest des heiligen Offiziums und wohnen der heiligen Messe bei: Während unserer Danksagung nach der hl. Messe wird eine andere Messe zelebriert; den Chor verlassen wir nach dem Vater Unser. Außerdem beten wir noch den Rosenkranz, den Kreuzweg und verrichten private Andachtsübungen sowie die geistliche Lesung. Jeden Morgen lesen wir eine halbe Stunde lang die Bibel.

Die Kapuziner haben von Allerheiligen bis Ostern drei Fastenzeiten. Die erste dauert von Allerheiligen bis Weihnachten, die zweite von Epiphanie (oder eigentlich ab dem Tag danach, dem 7.Januar) 40 Tage lang (ausschließlich der Sonntage). Diese Fastenzeit wird Benedetta („die gesegnete Fastenzeit“) genannt, weil uns der hl. Franz beim Halten dieser Fastenzeit großen Segen versprochen hat. Dann gibt es natürlich noch die große Fastenzeit der Kirche; außerdem fasten wir jeden Freitag.

Das Fasten besteht aus einem sehr leichten Frühstück und Abendessen, zu Mittag gibt es eine volle Mahlzeit. Während des restlichen Jahres (und jeden Sonntag), haben wir drei Mahlzeiten am Tag. Die Brüder, die es als zu schwer empfinden, sechs Tage in der Woche zu fasten, können es jeden zweiten Tag tun. Jeden Mittwoch, Freitag und Samstag enthalten wir uns auch vom Fleisch; dafür gibt es an den restlichen Tagen Fleisch. Wir trinken Wein zu unseren Mahlzeiten, aber nicht zum Frühstück! Da trinken wir Kaffee.

Schweigen herrscht von 8 Uhr am Abend bis zum nächsten Morgen nach der hl. Messe; außerdem ungefähr eine Stunde am frühen Nachmittag. Wenn wir während des Tages sprechen müssen, so tun dies die Novizen und jene die die einfachen Gelübde abgelegt haben kniend, um uns vom „Schwätzen“ abzuhalten und damit wir uns auf das Wesentliche beschränken. Nach dem Mittag- und Abendessen haben wir eine gemeinsame Erholungszeit: Der Gemeinschaftsgeist ist ein sehr wichtiger Aspekt im Leben des Franziskaners.

Wie wird man ein Bruder?

Zunächst tritt man als Postulant ein: Der Postulant trägt zivile Kleidung, lebt aber in der Gemeinschaft. Die Dauer des Postulats beträgt für einen Kleriker (einen Priesteramtskandidaten) zwei Monate und für einen Laienbruder sechs Monate(jedoch trägt dieser bereits den Habit).

Die zweite Stufe ist das Noviziat, das ein Jahr lang dauert. Jetzt trägt man den Habit mit der Kapuze. Der Novize verrichtet Handarbeiten und lernt die franziskanische Spiritualität sowie das Ordensleben kennen.

Die dritte Stufe besteht im Ablegen der einfachen Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams, zu welchen man sich für 3 Jahre verpflichtet. Die Laienbrüder setzen das Studium der Franziskanischen Spiritualität, des Religiösen Lebens und des Katechismus fort, während die Kleriker mit Philosophie beginnen.

In einer vierten Stufe werden die ewigen Gelübde abgelegt, welche für das ganze Leben verbindlich gelten; ab diesem Zeitpunkt beginnt der Kleriker mit dem Studium der Theologie.

Worin besteht der Unterschied zwischen einem Priester und einem Laienbruder?

Die Laienbrüder führen im Unterschied zu den Priestern ein verstärkt kontemplatives Leben, da ihr Leben verborgen und zurückgezogen ist. Sie betreiben Gartenarbeit, Kochen, versorgen die Sakristei, und auch der Pförtner ist traditionsgemäß ein Laienbruder.

Die Priester sind natürlich eingebunden in die Seelsorge und sind oft vom Kloster entfernt. „Oft“ bedeutet jedoch nicht „immer“: Die Priester sind es, die die Novizen und jungen Ordensleute im Katechismus usw. unterrichten, die geistliche Vorträge halten und der Gemeinschaft die monatlichen Exerzitien predigen. Sie kümmern sich auch um die Bibliothek und unterrichten die Priesteramtskandidaten unter den Mitbrüdern in Philosophie und Theologie.

Vom Kleriker oder Studenten zur Priesterweihe

Der Kleriker ist zunächst für 2 Monate ein Postulant, danach ist er ein Jahr lang Novize und trägt den Habit; er verrichtet Handarbeiten wie Küchenhilfe, Putzen oder Gartenarbeit. Er nimmt am Unterricht teil und liest Bücher über die franziskanische Spiritualität, über das Ordensleben und über die christliche Glaubenslehre.

Darauf legt er für drei Jahre die einfachen Gelübde ab und beginnt mit dem Studium der Philosophie; nach drei Jahren legt er die ewigen Gelübde ab und beginnt mit dem Studium der Theologie. Die niederen Weihen erhält er während des Philosophiestudiums, die höheren Weihen während des Theologiestudiums. Nach drei Jahren Theologiestudium wird er zum Priester geweiht, worauf sich ein weiteres Jahr für das Studium der Pastoraltheologie und der „heiligen Beredsamkeit“ (das Erlernen des Predigens) anschließt. Das heißt also: 2 Monate Postulant, 1 Jahr Novize, 3 Jahre lang die einfachen Gelübde mit dem Studium der Philosophie, danach die ewigen Gelübde und 4 Jahre Theologiestudium, wobei im dritten Jahr die Priesterweihe erfolgt.

Die Priester und Kleriker tragen die klerikale Tonsur oder „Krone“, das heißt, einen Haarkranz; die Laienbrüder sind ganz kahl geschoren.

Die Kleriker studieren auch Kirchengeschichte, Ordensgeschichte, sowie die Kirchenväter und Kirchenlehrer. Wir lehren auch Latein – aber besser wäre es, wenn Sie es schon vorher lernen könnten, bevor Sie kommen – und wenn Sie auch nur wenige Vorkenntnisse mitbrächten.

Eintrittsbedingungen:

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Zunächst gelten natürlich die grundlegenden Bestimmungen, die im Kanonischen Recht
von allen Anwärtern auf ein Ordensleben verlangt werden:
Mindestens 16 Jahre alt sein und das Höchstalter von 35 nicht überschritten haben.
Katholisch sein, in Treue zu Kirche und Papst.
Bei guter Gesundheit sein und ein gesundes Urteilsvermögen besitzen.
Der festen Überzeugung sein, getreu der Bibel und der Lehren des hl. Franz leben
zu wollen.
Ein Freund des Friedens und der Eintracht sein.


Wir empfehlen Ihnen außerdem sehr, wenn Sie nach Morgon kommen und unserer Gemeinschaft beitreten möchten, zuerst Französisch zu lernen: Sie sollten einen Teilzeitkurs, wenn nicht sogar einen Vollzeitkurs besuchen. Für Latein wäre es sehr ratsam, für Französisch ist es nahezu unverzichtbar. Sorgen Sie sich nicht um die Zeit: Zeit bedeutet nichts. Der Bruder, der diesen Artikel für Sie schreibt, absolvierte an der Universität einen Vollzeitkurs für Französisch und Latein, in der ausdrücklichen Absicht hierher zu kommen. Was machen schon ein, zwei oder drei Jahre für einen Unterschied, wenn man danach den Rest seines Lebens in einem Kloster verbringt? Sie können daraus nur Vorteile für sich ziehen.


Der Kreuzgang

 

Heilige aus dem Kapuzinerorden

kapuziner-kloster-frankreichEinige besser bekannte Heilige des Kapuzinerordens sind der hl. Felix Canalice (†1587), der hl. Laurentius von Brindisi (†1619), der hl. Fidelius von Sigmaringen (†1622), der hl. Krispin von Viterbo (†1750), der Selige Diego-Jose von Cadiz (†1801), der hl. Konrad von Parzham (†1894), der hl. Leopold Mandic von Castelnuovo (†1942). Der am meisten bekannte Heilige aus dem Kapuzinerorden ist sicher Pater Pio (†1968), der stigmatisierte italienische Priester. Man sagt, dass er so sehr unter den Veränderungen im Orden und in der Kirche gelitten habe, dass er Gott gebeten habe, ihn aus diesem Tale der Tränen, das die Welt ist, zu erlösen.

Ein abschließendes Wort

Das Leben eines Kapuziners ist nicht einfach: Es ist hart. Aber es ist nicht unmöglich. Einer der Päpste beschrieb unser Leben als „una vita disparata“ – ein verschiedenes Leben. „Verschieden“ bedeutet: grundlegend anders, nicht dasselbe, ausgesprochen unterschiedlich, oder sogar „im Konflikt mit etwas stehend“. Als unser Herr das erste mal den hl. Franz gerufen hatte, sagte er zu ihm in einer Eingebung: „Franz, verlasse jetzt die weltlichen und eitlen Freuden, um die geistigen Freuden zu erlangen; ziehe das Bittere dem Süßen vor, verachte dich selbst, falls du mich kennen lernen möchtest! Sobald du dich geändert hast, wirst du die Wahrheit in meinen Worten verstehen, sogar dann, wenn die Ordnung der Dinge völlig verdreht erscheint.“

Ein anderes Mal, kurz vor der Stigmatisierung (im Jahre 1224, zwei Jahre vor seinem Tod), durch welche Gott sein Siegel auf die Regel setzte, kamen einige unzufriedene Brüder zu ihm und beschwerten sich, dass die Regel zu hart sei. Diese Regel war die zweite, die der hl. Franz ausgearbeitet hatte, da der Papst die erste für zu streng erachtet hatte: Die zweite Regel ist jene, der wir heute folgen. Als diese Brüder kamen, um sich über die zweite, überarbeitete Regel zu beschweren, hörte man eine Stimme vom Himmel, die Stimme Christi selbst, welche sagte: „Franz, lass sie verstehen, dass ich es war, der dir diese Regel eingab. Wenn sie ihr nicht folgen können, lass sie den Orden verlassen. Ich weiß wie gebrechlich die menschliche Natur ist: Lass sie wissen, wie sehr ich gewillt bin denen zu helfen, die diese Regel bereitwillig annehmen.“


Morgon befindet sich in Beaujolais, 60 Kilometer nördlich von Lyon.

morgon

 

Rev. Father Guardian
Couvent Saint François
F-69910 Villie-Morgon
France


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