Bin ich berufen? PDF Drucken E-Mail

„Selig sind die, die in Deinem Hause wohnen, o Gott, sie werden auf ewig deinen Namen preisen.“ (Ps 83, 5)

„Weh denen, die sterben, ohne ihre Sendung zu erfüllen. Die berufen waren, heilig zu sein, und in Sünde lebten, die berufen waren, Gott zu dienen, und die in diese leere und ungläubige Welt kamen; die berufen waren zu kämpfen und eitel blieben. Weh denen, die Gaben und Talente hatten und sie nicht, zu wenig oder falsch nutzten. Die Welt lebt weiter von Generation zu Generation, aber die Engel und Heiligen weinen und klagen immer ach und weh über den VERLUST DER BERUFUNGEN und über enttäuschte Hoffnungen und die Verachtung der Liebe Gottes und das Verderben der Seelen.“ (Kard. Newman)

 

1. Komm, folge Mir nach

„Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben erlange?“ lautete die Frage eines Mannes, den das Glück mit Reichtum in dieser Welt bedacht hatte und der erkannte, dass das ewige Leben ein viel größerer Schatz ist. Er war zum Göttlichen Lehrer gekommen, um zu fragen, was er noch tun könne, um das Ziel zu erreichen, nach dem er strebte. Er war jung und reich, ein Mächtiger in seinem Land, und sein Leben war ohne Fehl und Tadel.

„Die Gebote? Ich habe alle seit meiner Jugend stets gehalten“, sagte er, „Meister, was soll ich noch tun?“

Jesus blickte ihn liebevoll an, denn eine solche Seele war seinem Heiligsten Herzen lieb. „Wenn du vollendet sein möchtest“, antwortete Er, „geh und verkaufe, was du hast, gib es den Armen und komm und folge mir nach.“

Es folgte eine schmerzhafte Pause: Natur und Gnade kämpften gegeneinander; die Einladung war ausgesprochen, der Weg zur Vollendung aufgezeigt. Nur ein einziges Opfer musste gebracht werden, um ihn zu einem wahren Jünger zu machen. Aber es war ein großes Opfer, zu groß für ihn, der gerade noch so großzügig erschienen war. Er zögert, überlegt und wendet sich dann traurig ab – während die Worte „Komm, folge Mir nach!“ noch in seinen Ohren klangen, denn die Liebe zu „seinem großen Besitz“ hatte sein Herz gefesselt – eine Berufung war ausgesprochen und zurückgewiesen worden. „Was für eine Menge von Bedenken musste ihn bedrängen, der von Jesus selbst berufen wurde, Ihm zu folgen“, sagt Pater Faber. „Schaut er im Himmel nun das Gesicht, von dessen sanfter Schönheit er sich auf Erden so traurig abgewandt hat?“

Fast 2000 Jahre sind seither vergangen, aber die gleiche drängende Stimme muss vielen jungen Männern und Mädchen ins Ohr geflüstert haben: „Es gibt nur einen Weg für Dich – komm, folge Mir nach!“ Manche haben diese Stimme mit Freude und Entzücken gehört und sind auf den Ruf des Meisters aufgestanden; andere haben ihre Ohren verstopft und sich von ihm abgewandt, aus Furcht vor Ihm, der sie rief. Wieder andere sind stehen geblieben und haben aufgehorcht und sich gefragt, ob diese Einladung ihnen gelte, bis Jesus von Nazareth an ihnen vorbei gegangen war und sie für immer hinter sich ließ.

An diese ist diese Erklärung einer Berufung in erster Linie gerichtet, in der Hoffnung, dass sie die Wege der Gnade in ihrer Seele erkennen oder sogar dazu angeregt werden zu bitten, dass sie eines Tages am höchsten Geschenk, der ewigen Liebe Gottes, teilhaben dürfen.

 

2. Was ist eine Berufung?

„Wie weiß ich, ob ich berufen bin oder nicht?” Wie oft hat sich diese Frage auf die Lippen eines jungen Mannes oder Mädchens gedrängt, die erkannt haben, dass das Leben einen Sinn hat? Und wie oft wurde sie einfach mit einem unsicheren „Ich bin sicher, dass ich keine Berufung habe“ oder einem heimlichen Gebet, dass Gott sie von einem solchen Schicksal bewahren möge, abgetan. Wie wenig wissen sie von dem Glück, das sie wegwerfen, wenn sie Gottes Einladung ablehnen. Denn eine solche Frage ist oft ein Zeichen für eine wahre Berufung.

In erster Linie ist eine Berufung oder „der Ruf zum Priestertum oder Ordensleben“ – im Gegensatz zur allgemeinen Einladung an alle Menschen, auch in dieser Welt ein vollkommenes Leben zu führen – ein Geschenk Gottes an die von Ihm Auserwählten. „Nicht ihr habt Mich erwählt“, sagte Er zu Seinen Jüngern, „sondern Ich habe euch erwählt“, und der Evangelist berichtet uns, dass „Christus die berief, die Er wollte“. Oft ergeht eine Berufung an solche, von denen wir es am wenigsten erwarten würden. Maria Magdalena, zum Beispiel, die bis über den Kopf mit Sünde bedeckt war, wurde die Braut des Makellosen; oder Matthäus, der von ungerecht erworbenem Reichtum umgeben war, und Saulus, „der Drohungen gegen die Christen ausstieß und sie töten ließ“. Jeder von ihnen hörte den Ruf, denn ein früheres Leben in Sünde ist kein Hindernis für eine Berufung, erklärt der heilige Thomas.

Aber obwohl dieses Geschenk von unschätzbarem Wert ist und ein Zeichen besonders großer Zuneigung von Seiner Seite, zwingt Gott die Seele nicht, das Geschenk anzunehmen, sondern überlässt ihr die Entscheidung, mit der Gnade mitzuwirken oder sie zurückzuweisen. Eines Tages nähert sich der „Göttliche Jäger“ seiner Beute, die er sich als Werkzeug seiner Liebe ausersehen hat; und vorsichtig, als ob Er sich fürchtet, den freien Willen zu beeinträchtigen, wispert Er ein Wort. Wenn die Seele sich abwendet, wendet sich auch Jesus oft für immer ab, da er nur Freiwillige in Seinem Dienst haben möchte. Aber wenn die erstaunte Seele aufhorcht, sogar wenn sie sich fürchtet, dass diese Stimme noch einmal zu ihr sprechen könnte, auch wenn sie vor dem zurückschreckt, was die Stimme vorschlägt, dann kann die Gnade wirken und ihren Gefangenen zu den Füßen des Jägers bringen.

Bei dieser ersten Begegnung wird die Seele unbewusst tief verwundet mit einem Verlangen nach einer unbekannten, noch nicht verkosteten Freude. Fast unmerklich hat ein Verlangen nach einem edleren Leben vom Herzen Besitz ergriffen. Gebet und Selbstverleugnung und der Gedanke an Opfer bringen eine neue Seligkeit. Das blendende Licht der weltlichen Vergnügungen, die einst so anziehend waren, scheint zu ersterben. Die Freuden und Vergnügungen der Welt sind nicht länger anziehend oder befriedigend; ihre Leere führt nur dazu, dass man sich mehr davon zurückhält und sie fürchtet. Und währenddessen quält immerzu der Gedanke an dieses undefinierbare „Etwas“ die Seele.

„Süßer und sanfter Herr!“ ruft der selige Heinrich Seuse: „Seit den Tagen meiner Jugend habe ich mit brennendem Verlangen nach etwas gesucht, aber ich habe bis jetzt nicht ganz verstanden, was das war. Herr, ich habe viele Jahre danach gesucht, konnte es aber niemals ganz fassen, denn ich weiß nicht, was es ist. Dennoch ist es etwas, das meinen Verstand und meine Seele anzieht und ohne das ich niemals vollständig zur Ruhe kommen kann. Herr, ich habe es seit den Tagen meiner Kindheit in den Geschöpfen gesucht, aber je mehr ich es bei ihnen suchte, desto weniger konnte ich es dort finden, denn jedes Abbild, das sich mir zeigte, warnte mich, bevor ich es ganz erfassen oder mich darauf einlassen konnte, mit solchen Worten: „Ich bin nicht das, wonach du suchst.“ Jetzt sucht mein Herz wie rasend danach, denn es würde es so gerne besitzen. Ach, ich erfahre ständig, was es nicht ist. Aber was es ist, o Herr, ist mir noch immer nicht klar. Sag mir, liebster Herr, was es ist und was das Wesen dessen ist, das mich beständig umtreibt.“

Sogar mitten im Treiben und den Vergnügungen der Welt ist dieses schmerzhafte Verlangen im Herzen. „Wie sinnlos ist all dies. Wie leer! Wie ungenügend! Ist das alles, was das Leben bringen kann? Bin ich nur für das geschaffen?“

Langsam beginnt man, das Hervorragende und Gute der Vollendung des Lebens nach den Maßstäben des Evangeliums zu verstehen. Den unbeschreiblichen Vorzug des jungfräulichen Lebens und das Ideal eines Lebens, das ganz dem Dienst an Gott und der Rettung der Seelen gewidmet ist. Lauter und stärker wird jenes zarte Wispern: „Komm, folge Mir nach“, bis die furchtsame Seele schließlich mit einem Gefühl größter Freude und Dankbarkeit oder auch manchmal mit natürlicher Zurückweisung und Furcht vor der Verantwortung erkennt, dass sie berufen ist oder wie es heißt: „Der Herr ist hier und ruft nach dir.“

Eine wirkliche Berufung

Eine Berufung ist daher im Allgemeinen nicht geheimnisvoll, wie manche Leute es sich vorstellen, sondern einfach die Wahl eines bestimmten Lebensstils, die Gott für jemanden trifft.

„Ein Mensch hat eine wahre Berufung für eine bestimmte Lebensform“, schreibt Pater C. Coppens SJ, „wenn er wirklich überzeugt ist, dass, soweit er es mit Gottes Gnade beurteilen kann, diese Lebensform die beste ist, um das Ziel zu erreichen, das Gott für ihn ausersehen hat. Und wenn die Talente, Gewohnheiten und Lebensumstände des Menschen so sind, dass man mit einiger Sicherheit annehmen kann, dass er in dieser Lebensform erfolgreich sein kann.“

Pater Poulain SJ, der große französische Asket, fügt hinzu: „Um festzustellen, ob es sich bei jemandem um eine wirkliche, von Gott eingegebene Berufung handelt, reicht es gewöhnlich nicht aus zu sagen, dass jemand eine beständige Neigung dazu hat. Dieses Kennzeichen ist nicht sicher, wenn nicht auch noch natürliche Bedingungen erfüllt sind, nämlich, dass bestimmte physische, moralische und intellektuelle Fähigkeiten vorhanden sind.“

Eine Berufung zu einem geistlichen Stand setzt daher voraus, dass man nicht nur eine übernatürliche Neigung oder ein Verlangen hat, diesem Stand beizutreten, sondern auch die Fähigkeit oder Möglichkeit, sich den Pflichten anzupassen. Gott kann ja nicht widersprüchlich handeln.

Wenn Er jemanden wirklich beruft, dann muss Er ihm auch die Fähigkeiten geben, Ihm zu folgen. Wenn aber wirkliche Hindernisse im Weg sind, z.B. ernsthafte Schwächen: alte Eltern, die unterstützt werden müssen, etc., dann kann dieser nicht berufen sein.

Gott ruft manchmal jemanden dazu auf, etwas zu tun, was er nicht wirklich getan haben möchte. David zum Beispiel wollte unbedingt den Tempel des Herrn bauen, Abraham wurde gesagt, er solle seinen Sohn opfern, aber das war nur dazu da, ihren Gehorsam und Willen zu prüfen. Die heilige Teresa sagt: „Gott freut sich manchmal mehr über den Willen, eine Sache zu tun, als über die Erfüllung dieser Aufgabe.“

Der heilige Franz von Sales erachtet „einen festen und entschlossen Willen, Gott zu dienen“ als das beste und sicherste Zeichen für eine wahre Berufung, denn der göttliche Lehrer hat einst gesagt: „Wenn du [das] willst, komm, folge Mir nach.“ Er schreibt: „Eine wirkliche Berufung ist einfach ein fester und andauernder Wille, Gott zu dienen, in der Weise und an dem Ort, an den Er mich ruft. Ich sage nicht, dass dieser Wunsch frei sein soll von Zurückweisung, Schwierigkeit oder Ablehnung. Denn eine Berufung muss nicht als falsch angesehen werden, weil derjenige, der sich zum geistlichen Stand berufen fühlt, nicht mehr die selben starken Gefühle hat, die er zuerst verspürt hat, ja, dass er sogar Abneigung oder eine solche Kälte fühlt, dass er schon alles verloren glaubt. Es reicht aus, dass der Wille beständig bleibt in der Entscheidung, die zuvor gewählte Richtung nicht zu verlassen. Um herauszufinden, ob Gott uns zum geistlichen Stand beruft, muss man nicht warten, bis Er selbst zu uns spricht oder bis Er uns einen Engel vom Himmel sendet, uns Seinen Willen zu verkünden. Und es ist auch nicht nötig, dass man Offenbarungen hat, aber die erste Anregung sollte beantwortet werden, und man muss sich keine Sorgen machen, wenn später Abneigung oder Kälte hinzukommen.“

 

3. Anzeichen für eine Berufung

Die folgende Liste mit den normalen Anzeichen für Berufungen ist hauptsächlich den Werken von Pater Gautrelet SJ und dem Exerzitienbüchlein entnommen. Niemand soll erwarten, all diese Anzeichen zu haben, aber wenn mehrere davon nicht vorhanden sind, kann die Person sicher annehmen, dass sie keine Berufung hat:

Das Verlangen danach, berufen zu sein, zusammen mit der Überzeugung, dass Gott dich ruft. Dieses Verlangen wird meist am ehesten gespürt, wenn die Seele ruhig ist, nach der heiligen Kommunion und in Zeiten der Ruhe.

  1. Eine zunehmende Hingezogenheit zum Gebet und zu heiligen Dingen im Allgemeinen, zusammen mit dem Wunsch nach einem verborgenen Leben und dem Wunsch, enger mit Gott verbunden zu sein.
  2. Verachtung der Welt, überzeugt zu sein von ihrer Leere und Unfähigkeit, der Seele zu genügen. Dieses Gefühl ist meist am stärksten inmitten von weltlichen Vergnügungen.
  3. Furcht vor der Sünde, in die man so leicht fallen kann, und ein Verlangen, den Gefahren und Versuchungen der Welt zu entkommen.
  4. Manchmal ist es ein Zeichen für eine Berufung, wenn jemand fürchtet, dass Gott sie oder ihn rufen könnte; wenn er/sie betet, keine Berufung zu haben und den Gedanken nicht verbannen kann. Wenn es eine wirkliche Berufung ist, wird bald eine Anziehung verspürt werden, denn Pater Lehmkuhl sagt: „Man muss nicht eine natürliche Neigung zum geistlichen Stand haben. Im Gegenteil, eine göttliche Berufung ist sogar vereinbar mit einer natürlichen Abneigung gegen diesen Stand.“
  5. Eifer für die Seelen. Den Wert der unsterblichen Seele zu erkennen und das Verlangen, an ihrer Rettung mitzuarbeiten.
  6. Das Verlangen, unser ganzes Leben dafür hinzugeben, einen lieben Nahestehenden zum Glauben zu führen.
  7. Das Verlangen, für unsere Sünden zu sühnen oder für die Sünden anderer und den Versuchungen zu entfliehen, denen zu widerstehen wir uns zu schwach fühlen.
  8. Eine Neigung zum jungfräulichen Leben.
  9. Freude am geistlichen Stand zu haben und an seiner geistlichen Unterstützung, seinem Frieden, seinen Verdiensten und Belohnungen.
  10. Ein Verlangen danach, sich selbst zu opfern und alles für die Liebe zu Jesus Christus zu verlassen und um Seinetwillen zu leiden.
  11. Den Willen in sich selbst zu spüren, keine weltlichen Güter oder nur wenig Bildung zu haben, und das Verlangen, in jedweder Fähigkeit aufgenommen zu werden, ist der Beweis für eine wahre Berufung.

 

4. Gründe zum Eintritt in einen Orden

Der Hl. Franz von Sales schreibt folgendes: “Viele treten einem Orden bei ohne zu wissen warum sie dies tun. Sie kommen in das Sprechzimmer eines Klosters, sehen Nonnen mit ruhigem Blick, der voller Frohsinn, Bescheidenheit und Zufriedenheit ist, und sagen zu sich: ´Was für ein fröhlicher Ort dies ist! Hier sollen wir bleiben. Die Welt missbilligt uns, dort finden wir nicht was wir wollen.´

„Andere kommen um Frieden, Trost und alle Arten von Süßigkeiten zu finden. Sie sagen sich: Wie glücklich Ordensleute sind! Sie sind all ihren Sorgen von zu Hause entflohen; dem ständigen herumkommandieren und kritisieren ihrer Eltern – lasst uns in das Ordensleben eintreten.

Diese Gründe sind nichts wert. Lasst uns prüfen ob wir genug Mut und Entschlossenheit haben, um uns zu kreuzigen, uns selbst zu verleugnen, oder Gott es erlauben, dies zu tun. Sie müssen verstehen was es bedeutet, ein Ordensmann zu sein. Es bedeutet durch ein ständiges Selbstopfer an Gott gebunden zu sein, und nur für Ihn zu leben. Unser Herz ist dann immer und ganz Seiner Göttlichen Majestät hingegeben; unsere Augen, Zunge, Hände und all unsere Glieder dienen Ihm ohne Unterlass. Schauen Sie gut in Ihr Herz und sehen Sie ob Sie genug Entschlossenheit haben, zu sterben und nur für Gott zu leben. Das Ordensleben ist nichts anderes als eine Schule der Selbstverleugnung und des Opfers.“

Da der Ruf zum Ordensleben übernatürlich ist, würde eine Berufung, die einzig aus menschlichen Motiven entspringt wie jene, von denen der Hl. Franz von Sales sprach – der Wunsch seinen Eltern zu gefallen, oder irdische Vorteile, nicht das Werk der Gnade sein. Aber wenn der Hauptgrund der uns dazu führt, das Ordensleben zu ergreifen, übernatürlich ist, dann ist die Berufung eine Echte, denn die Göttliche Vorsehung bedient sich oft der Prüfungen und Missgeschicke des Lebens, um eine Seele mit Abscheu vor der Welt zu erfüllen und sie für eine größere Gnade vorzubereiten.

Um den Folgen eines Duells, an dem er sich beteiligt hatte, zu entgehen, suchte der Hl. Romuald, der Gründer der Kamaldulenser, Zuflucht in einem Kloster, wo er dermaßen von dem glücklichen Leben der Mönche beeindruckt war, dass er sich Gott weihte.

Der Hl. Paulus, der erste Einsiedler, floh in die Wüste, um die Verfolgung zu vermeiden. In der Einsamkeit fand er den Frieden und die Freude, die er vorher umsonst gesucht hatte. Wie viele Augen wurden durch den plötzlichen Tod eines guten Freundes geöffnet, um die Kürze und die Unsicherheit des Lebens zu erkennen und um einzusehen, dass das Gewinnen des ewigen Lebens das „einzig Notwendige“ ist; vereitelter Ehrgeiz, das Erlöschen von großen Hoffnungen oder die Enttäuschung eines liebenden Herzens haben viele der damals zukünftigen Heiligen davon überzeugt, dass der einzige Herr, der es wert ist, dass man ihm dient, Jesus Christus ist, dass Seine Zuneigung die einzig erstrebenswerte Liebe ist.

Demzufolge können wir mit dem belehrten Theologen Lessius schließen: „Wenn jemand den Entschluss fasst, das Ordensleben zu ergreifen, der entschieden ist, seine Regeln und Pflichten zu folgen, dann gibt es keinen Zweifel, dass dieser Entschluss, diese Berufung, von Gott kommt, unabhängig von den Umständen, die diesen verursacht haben.“

„Es ist von wenig Bedeutung wie wir beginnen, vorausgesetzt, dass wir entschlossen sind, beharrlich zu bleiben und gut zu enden,“ spricht der hl. Franz von Sales; und der hl. Thomas von Aquin sagt: „Egal aus welchen Grund unsere Entschlossenheit kommt, das Ordensleben zu ergreifen, sie kommt von Gott“; währenddessen schreibt Suarez, dass „der Wunsch zum Ordensleben allgemein vom Heiligen Geist kommt, und, dass wir diesen als Solchen empfangen sollten.“

 

5. Sollte man zu Berufungen ermutigen?

Es ist eine interessante Tatsache, dass viele fromme und gebildete Menschen weit weniger zurückschrecken Anwärter von einer eventuellen Berufung abzubringen, als diese durch ihre Hilfe und Unterstützung darin zu ermutigen. Sie sagen, dass „Eine Berufung gänzlich das Werk des Heiligen Geistes sein muss.“ Bereitwillig schildern sie alle vorstellbaren Schwierigkeiten und Prüfungen des Klosterlebens und verweisen auf die Unzufriedenheit, die oft darin gefunden wird; sie sprechen von den langen und ernsthaften Erwägungen welche so einem Schritt vorauszugehen haben und löschen dadurch erfolgreich, vielleicht auch völlig unbeabsichtigt, die glühende Begeisterung eines jugendlichen Herzens.

Einige laden eine schwere Verantwortung auf sich, wenn sie Seelen bewusst von dem Weg abzubringen suchen, den der Herr für sie vorgesehen hat, indem sie seine Warnung vergessen: „Ich bin es, der dich gewählt hat!“ Nie machen sich solche Personen über den nie wieder gutzumachenden Schaden Gedanken, der entsteht, wenn das Werk Gottes zerstört wird.

Andere versichern einem Postulanten, der für einen bestimmten Orden als ungeeignet befunden wurde, mit ruhigem Gewissen darin ein Zeichen Gottes zu sehen, dass wahrscheinlich keine Berufung vorliegt.

Es ist sehr wahr wenn man sagt, dass Berufungen von oben kommen, aber Gottes Absichten können behindert oder unterstützt werden von seinen Kreaturen und er hat sich immer Zweitursachen bedient um seine Werke auszuführen. Die Formung des Charakters und die Hinführung der Jugend zum Heiligtum, liegt zum Großteil in den Händen der Eltern und Lehrer; wie viele glückliche Priester und Schwestern danken täglich ihrem Schöpfer für das Geschenk ihrer guten Mutter, welche zuerst die Samen ihrer Berufung in ihr kindliches Herz gesät haben. Väter und Mütter stellen ihren Kindern ständig die verschiedenen Berufe des Lebens vor Augen, um ihnen in dieser Wahl zu helfen: verdient das erhabenste Leben überhaupt, nämlich jenes im Dienste des Königs der Könige, worin für kostbare Seelen gekämpft wird, um dadurch das Reich Christi auszubauen, völlig ignoriert zu werden?

Die Heiligen haben verstanden, dass Gott zu ihnen geschaut hat, dass sie Ihm helfen mögen, Berufungen heranzuziehen. Der Heilige Hieronymus schreibt diesbezüglich zu Heliodorus: „Ich lade dich ein, beeile dich. Du hast mein Flehen übergangen, vielleicht hörst du auf meinen Tadel. Verweiblichter Soldat! Was machst du unter dem väterlichen Haus? Beeil dich, um dich unter das Banner Christi zu stellen.“

Der Heilige Bernhard hat so überzeugend von den Vorteilen des geistlichen Lebens gesprochen, dass alle seine Brüder und 30 junge Adelige ihm in die Einsamkeit nach Citeaux gefolgt sind.

Noch viel eindrücklicher war die Bekehrung der Apostel zu unserem Herrn durch indirekte Mittel. Der Heilige Andreas und der Heilige Johannes wurden zum Heiland durch den Heiligen Johannes den Täufer gesandt: „Seht das ist das Lamm Gottes. Und die zwei Jünger hörten ihn sprechen und folgten Jesus.“

„Am folgenden Tag ging er [Andreas] nach Galiläa wo er Philippus fand … Philippus fand Nathanael und sagte zu ihm: Wir haben jenen gefunden von dem die Propheten geschrieben haben … und Nathanael sagte: Kann denn etwas Gutes aus Nazareth kommen? Philippus sagte zu ihm: Komm und sieh,“

So lernte einer nach dem anderen den Heiland kennen und kam unter den Einfluss seiner Gnade, ohne jene alle menschlichen Bemühungen um Berufungen umsonst sind. „Wisset wohl,“ sagt der Heilige Thomas, „es ist entweder der Vorschlag des Teufels oder der Rat eines Menschen, der uns geneigt macht das geistliche Leben zu beschreiten und uns dadurch veranlasst die Nachfolge Christi anzutreten. Dieser Vorschlag oder Ratschlag ist machtlos und unnütz, solange Gott nicht unser Inneres anspricht und uns zu sich hinzieht. Eine Anregung in einen geistlichen Stand einzutreten, wie sie sich auch immer zu erkennen gibt, kann deshalb nur von Gott kommen.“

„Kein Mensch kann zu mir kommen, ohne dass es Ihm mein Vater gegeben hätte.“ Deshalb sagt der Heilige, müsse sogar eine religiöse Berufung die vom Teufel käme, als ein exzellenter Ratschlag vom Feind angenommen werden.

 

6. Eine Berufung erproben

Geistliche Schriftsteller sagen uns, dass der böse Geist alles im Rahmen des Möglichen tut, um das Gute zu verhindern. Wenn er jemanden nicht vollständig von seiner Absicht abbringen kann sich Gott ganz zu schenken, wird er daran arbeiten, koste es was es wolle, den Moment des Eintritts hinauszuzögern – weiß der Teufel doch darum, dass diese Person in der Welt ständig der Gefahr ausgeliefert ist, die Gnade Gottes und „die kostbare Perle“, seine Berufung, zu verlieren. Er weiß, dass solange sich die Klostertüren nicht hinter dem jungen Leviten geschlossen haben, er alle Macht hat diesen Schatz zu stehlen. Er wird Fallen und Fallstricke legen, Zweifel und Furcht aufkommen lassen; wird einem die Freuden der Welt als fast unwiderstehlich vorgaukeln und dadurch sogar das tapferste Herz zum Wanken bringen: „Ich war mir nie darüber bewusst, wie ich die Welt lieb gewonnen hatte,“ ist der schmerzerfüllte Schrei von Vielen.

Durch verschiedene Vorwände verleitet er die Seelen den großherzigen Entschluss von Tag zu Tag zu verschieben. „O Gott“, ruft der Heilige Augustinus, „Ich will sofort kommen; wart nur einen Augenblick; aber dieser Augenblick ist nie gekommen, und Gott wartete vergeblich. Ich war immer entschlossen mich dir morgen ganz zu geben, aber nie sofort.“

Wie tragisch sich dieser Aufschub dem Ruf Gottes sofort zu folgen auswirkt, können jene am Besten sagen, welche Alter und veränderte Umstände daran gehindert haben, ihre erste Absicht auszuführen.

Wenn die Berufung zweifelhaft ist, dann ist eine ernsthafte Erwägung notwendig, denn Übereilung und Nachlässigkeit in der Überlegung wäre in diesem wichtigen Punkt unverzeihlich. Aber so überaus groß sind die Vorteile welche von einem gottgeweihten Leben fließen, dass es ein viel größeres Unglück wäre, wenn man eine Berufung durch übertriebene Vorsicht vergeuden würde, als dass man einen vorübergehenden Gedanken mit dem Ruf des Meisters verwechseln würde.

Es ist gut sich in Erinnerung zu rufen, dass eine Person die keine Berufung hat nicht sündigt, wenn sie dennoch das religiöse Leben wählt, vorausgesetzt, dass diese Person bereit ist, alle religiösen Verpflichtungen einzuhalten und willens ist, Gott nach seinem besten Vermögen zu dienen. Denn nach der Meinung des Doctor Angelicus, wird Gott jenem, der ernsthaft bemüht ist Gottes Ehre zu fördern, die Gnaden nicht verwehren welche für diesen Stand notwendig sind.

Unser Herr lehrt uns, von den Kindern dieser Welt zu lernen, „welche weiser sind in ihrer Bildung“; es gibt da kein Zögern wenn es darum geht ein verführerisches Heiratsangebot anzunehmen, welches jemanden an einen, vielleicht unpassenden Partner ein Leben lang bindet. Es ist weltliche Weisheit sich eine solche Gelegenheit nicht entgehen zu lassen, da es die Möglichkeit birgt gut versorgt zu werden. Der Heilige Ignatius lehrt uns aber, dass es einer größeren Erwägung bedarf in der Welt zu bleiben, als diese zu verlassen. Er sagt: „Wenn eine Person daran denkt einen weltlichen Stand zu wählen, soll diese Gott um offensichtlichere Zeichen fragen und bitten, als wenn es darum geht einen geistlichen Stand zu erwählen. Unser Herr hat uns empfohlen die Evangelischen Räte zu wählen, aber auf der anderen Seite, hat er auch auf die großen Gefahren hingewiesen, die darin verborgen liegen; wenn wir also richtig schlussfolgern dann sind Offenbarungen und außergewöhnliche Zeichen seines Willens für jemanden wichtiger, der daran denkt einen weltlichen Stand zu erwählen, als für jene, die an einen geistlichen Stand denken.“

Unaussprechlich großer Schaden ist von gut meinenden Leuten entstanden, welche unter dem Vorwand „die Berufung zu erproben“ ihre Kinder davon abgehalten haben in ein religiöses Haus einzutreten.

Sie haben sie angehalten, dass „das kennen lernen der Welt“ wichtig ist um ihre Fähigkeiten zu entwickeln und um sich selber besser kennen zu lernen; dass solch ein Entschluss ihre Ansichten erweitern werde und helfen werde angemessene Urteile zu fällen; schließlich, dass eine Berufung, die in solch einer Prüfung, wo die Seele den Stürmen, Versuchungen und Schmeicheleien der Welt ausgesetzt ist, nicht standhält, keine Berufung sei und ein Gedanke daran besser fallengelassen werden solle.

Ist die Welt der Ort, wo man seine Berufung in Erfahrung bringt?“ fragt sich der Heilige Vinzenz von Paul. „Lasset die Seele so schnell wie möglich zu dem sicheren Asyl eilen.“ Die Kirche, welche sehr wohl die Notwendigkeit einer Erprobung sieht, schreibt deshalb mindestens ein Jahr der Probezeit in jedem Noviziat vor, bevor die Kandidaten zum religiösen Stand zugelassen werden. Dort, wo man geschützt ist von der vergifteten Atmosphäre einer korrupten Welt und reichlich Zeit für Gebet und Besinnung vorfindet, wo man jeden Moment frei ist zu gehen, oder zu bleiben, kann jeder die Ernsthaftigkeit des jeweiligen Wunsches, alles für Christus zu verlassen, überprüfen, noch bevor man sich durch unwiderrufliche Gelübde bindet.

Man könnte keinen schädlicheren Ratschlag als jenen geben“, schreibt Pater Lessius. „Was ist es anders als der Wunsch den inneren Drang zu ersticken unter dem Vorwand einer Prüfung und die Seele den Stürmen der Versuchung auszusetzen, jene, die sich vorbereitet hat den Hafen der Sicherheit anzustreben?“

„Wenn ein Gärtner eine wertvolle Pflanze anbauen soll welche große Zuwendung bedarf; würde nicht jeder ihn als einen Verrückten betrachten, wenn er diese auf einen steinigen Grund mit Dornen umgeben pflanzen würde und den Sonnenstrahlen sowie den Wechselfällen der Witterung aussetzen würde um sie zum Wachsen zu bringen? Jene, die Menschen mit einer Berufung empfehlen noch eine Weile in der Welt zu bleiben, haben noch weniger verstanden. Eine Berufung ist eine göttliche Frucht für das ewige Leben. Sie wurde gepflanzt in das menschliche Herz, in ein Erdreich welches nur in geringem Maße dieser Aufgabe gerecht werden kann und deshalb großer Pflege und Aufmerksamkeit bedarf. Aufmerksam muss darauf geachtet werden, dass die Vögel des Himmels, die Dämonen, sie nicht wegtragen; dass die Dornen der Fleischeslust und der Einsamkeit der Welt sie nicht ersticken; dass Menschen mit ihren falschen Prinzipien sie nicht mit ihren Füßen zertreten. Derjenige der jene Pflanze, die der göttliche Gärtner gepflanzt hat, bewahren und wachsen sehe möchte, muss die Welt fliehen und so schnell wie möglich einen sicheren Zufluchtsort erreichen.“

 

7. Überlegungen

Es folgt aus dem Gesagten, dass dem Ruf sofort gefolgt werden sollte, wenn die Stimme Gottes erkannt wird, das heißt wenn der Gedanke, die Welt zu verlassen, mehr oder weniger konstant eine Zeitlang in den Gedanken zu finden ist; wenn die Seele sich darüber klar wird - obwohl sie sich vielleicht sogar fürchtet - dann „hat der Herr Gefallen an ihr“.

Der heilige Thomas meint, dass die Einladung zu einem vollkommeneren Leben ohne Verzögerung befolgt werden sollte, denn diese Leuchtzeichen und Eingebungen Gottes sind vergänglich, nicht dauernd, und deshalb sollte dem göttlichen Ruf sofort Folge geleistet werden. In dem Alter, als er seine Wunder wirkte und umherging, um Gutes zu tun, „ging Jesus von Nazareth vorbei“. Wenn wir sein Vorbeigehen nicht bemerken, mag es sein, dass er niemals wiederkommt. „Ich stand an der Tür und klopfte“, sagte er. „Wenn jemand meine Stimme hört und mir öffnen wird, werde ich zu ihm kommen“, wenn nicht, mag der Ruf nie wiederkommen.

Eile, ich beschwöre Dich“, ruft der heilige Hieronymus aus, „schneide das Tau lieber durch als es zu lösen, mit dem dein Schiff ans Land gebunden ist“, denn ein einziger Tag Verzögerung nimmt einer Person unschätzbaren Verdienst, den sie im Ordensstand erlangen würde.

Verzögerung ist gefährlich, und lange Überlegung - wie Bischof Malou uns versichert - ist unnötig. „Von allen Ständen des Lebens ist der religiöse Stand - ohne Widerspruch - derjenige, der der wenigsten Überlegung bedarf, und es ist der, bei dem die Wahl wenig Zweifel verursachen sollte und die kleinste Verzögerung mit sich bringen sollte; denn es ist der Stand, in dem weniger Schwierigkeiten anzutreffen sind, und in dem die besten Mittel gefunden werden, unsere Seelen zu retten.“


 

Zwei Spezial-Ausgaben des Mitteilungsblattes widmen sich ebenfalls dem Thema der Berufung:

Mitteilungsblatt Juni 2010 Mitteilungsblatt Juli 2010

 

Das internationale Priesterseminar Herz-Jesu in Zaitzkofen (D) hat auf seiner Homepage eine eigene Rubrik zur Frage: "Was ist eine Berufung?"

 

Zuletzt sei noch auf das Büchlein mit dem Titel: "Die Standeswahl" von Pater Pascal Schreiber hingewiesen.

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