Einweihung Oratorium St. Joseph (Genf, 1980) PDF Drucken E-Mail

Predigt von S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre
am 23. März 1980 in Genf
(Einweihung Oratorium St. Joseph)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Meine geliebten Brüder!

Ich möchte Ihnen unsere Freude, unsere Befriedigung und unseren Dank ausdrücken. Zuerst jedoch, laßt uns Gott Dank sagen! Ihm verdanken wir dieses Heiligtum, das Oratorium St. Joseph. Gott wollte, daß diese Gebetsstätte gerade dem hl. Joseph anvertraut, geweiht und unter seinen Schutz gestellt wird. Die besondere Verehrung, die Ihr erster Prior, Pater Denis Roch, für den hl. Joseph und für das Oratorium St. Joseph in Montréal hegte, waren ein Zeichen der Vorsehung. Die Vorsehung hat es gefügt, daß dieses Haus, dieser Tempel Gottes dem hl. Joseph anvertraut wird.
Tiefe Dankbarkeit erfüllt uns auch für diejenigen, die auf irgendeine Weise zur Errichtung dieses Heiligtums beigetragen haben. Wir können sie nicht stillschweigend übergehen. Sie haben es umgewandelt, ausgestattet, ausgeschmückt und daraus eine Stätte gemacht, die zum Gebet einlädt. Diese Stätte lädt dazu ein, sich vor dem großen Geheimnis unserer heiligen Religion zu sammeln, dem Geheimnis des Glaubens, dem mysterium fidei! Von nun an wird die allerheiligste Eucharistie, hier im Herzen von Genf, in diesem Oratorium St. Joseph, gegenwärtig sein. Ich zweifle nicht daran, daß Sie, sollten Sie die Gelegenheit haben, an diesem Gotteshaus vorbeizukommen, eintreten werden und Unseren Herrn Jesus Christus anbeten und verehren werden.
Bitten wir heute besonders den hl. Joseph, uns zu diesem Verständnis des Geheimnisses zu verhelfen. Dreißig Jahre lang hat er in engster Gemeinschaft mit dem großen Geheimnis gelebt. Das große Geheimnis unserer heiligen Offenbarung ist Unser Herr Jesus Christus, der fleischgewordene Gott. Gott nahm einen Leib an, wie wir ihn haben. Er demütigte Sich so tief, daß Er einen Leib annahm, wie wir ihn haben, eine Seele, wie unsere und Eltern, wie wir sie haben. Er ist durch ein echtes Wunder in diese Familie, in das Heim von Joseph und Maria, eingetreten. Von da an lebten Joseph und Maria Seite an Seite mit diesem außergewöhnlichen Wunder. Dieses Wunder sollte später göttliches Leben in allen Herzen und in allen Seelen verbreiten und eine außergewöhnliche Liebe erwecken. Welches Geschöpf wurde und wird heute noch mehr geliebt? Welchem folgt man mehr nach? Welches Geschöpf wird mehr angebetet als Unser Herr Jesus Christus? Die einfachsten Seelen wie die gelehrtesten Geister neigen sich vor dem unergründlichen Geheimnis Unseres Herrn Jesus Christus. Der hl. Paulus hat dieses Geheimnis, das jeden Ausdruck übersteigt, in Worten beschrieben. Oft bedeutet, angesichts dieses Geheimnisses, unser Schweigen die der Wahrheit und der Wirklichkeit am nächsten kommende Huldigung. Wir sind unfähig auszudrücken, was Unser Herr Jesus Christus, das fleischgewordene Wort, bedeutet.
Der hl. Joseph lebte in demselben Haus wie Unser Herr. Er lebte mit Ihm zusammen. Er lebte mit Ihm gemeinsam von der Arbeit seiner Hände. Dreißig Jahre lang sprach er mit Ihm in vertrautester Weise. Mußte nicht dieser Mann, den Gott zum Nährvater auserwählt hatte, der Vater Jesu, das fleischgewordene Wort, alle Heiligen an Tugend übertreffen? Mußte er nicht der größte und bedeutendste aller Männer sein?
Neben der allerseligsten Jungfrau Maria, der Mutter Gottes, hat sicherlich der hl. Jospeh die reichlichsten Gnaden und größten Segnungen Gottes empfangen. Nicht ohne Grund stellen unsere heiligen Bücher Joseph, den Sohn Jakobs, und Joseph, den Nährvater Jesu, nebeneinander. Der Pharao hatte zu Joseph gesagt: „Dem Befehle deines Mundes soll das gesamte Volk gehorchen; nur durch den Königsthron allein werde ich höher sein als du. Siehe, ich setze dich über das ganze Land Ägypten“ (Gn 41,40,41). Joseph, der von seinen Brüdern verkauft und in Ägypten eingekerkert wurde, war nun oberster Aufseher. In gewissem Sinn war er der Stellvertreter des Pharao und dafür zuständig, alle Reichtümer Ägyptens zu verwalten. Kraft dieser Stellung ließ Joseph die Getreidespeicher füllen, da er die jahrelange Hungersnot voraussah. Dies ermöglichte es ihm eines Tages, seinen Vater und seine Brüder wiederzusehen. Diese wurden ebenfalls von Hunger gequält und fürchteten die Hungersnot. Sie wußten, daß in Ägypten jemand Getreide im Überfluß verteilte. So zogen sie nach Ägypten und entdeckten, daß es Joseph war, den sie an die Ismaëliten verkauft hatten. Sie hatten ihn aus der Erinnerung verloren. Damals erzählten sie dem Vater, wilde Tiere hätten ihn gefressen. Joseph sollte sie nun vor dem Hungertod retten und sie dazu veranlassen, bei ihm zu bleiben. Er sollte Israel in Ägypten zu einem großen Volk machen. Was für eine wunderbare Ähnlichkeit zwischen Joseph, dem Verwalter des Pharao, dem Sohn Jakobs, und Joseph, dem Nährvater Jesu!
Welchem der beiden sollen wir nun den Vorzug geben? Wer wird wohl der erste von ihnen sein? Joseph, der Sohn Jakobs, oder Joseph, der Nährvater Jesu? Darüber können wir keinen Augenblick im Zweifel sein. Was bedeutet Ägypten? Was bedeutet der Pharao gegenüber Joseph? Joseph, dem der Schatz anvertraut war, der größte Schatz des Vaters, Sein Sohn, Sein eigener Sohn, Gott wie Er, ewig, allmächtig, durch den alles geschaffen wurde, per quem omnia facta sunt! Ja, Er, durch den alles geschaffen wurde. Joseph war der Hüter dieses Schatzes. Joseph war der Hüter Unseres Herrn, der eines Tages das Kreuz annehmen sollte, um Sein Blut zu vergießen und uns zu erlösen.
Joseph ist groß unter allen Heiligen. Er hat uns ein Beispiel gegeben, das wir heute mehr als jemals zuvor nötig haben. Ich werde nur drei Züge seines Lebenswegs und seines Verhaltens beleuchten. Joseph, der so schweigsam war. Ich glaube, für Joseph ziemte sich nur ein Verhalten Jesus gegenüber: Anbetendes Schweigen. Und doch muß es zwischen ihm und Jesus lebhafte und eifrige Gespräch gegeben haben. Im Evangelium verschwindet Joseph fast. Wir wissen jedoch genug über seine Person, um sagen zu können, daß Joseph vor allem keusch war. Keusch und sittenrein! Er suchte nicht fleischlichen Genuß. Angesichts des Dramas, das sich um seine allerseligste Braut Maria abspielte, hatte er beschlossen, sie zu entlassen, als ihm zum Bewußtsein kam, daß sie in Erwartung war. Nach dem Gesetz konnte er sie den Richtern ausliefern. Sie wäre dann gesteinigt worden. In seiner Heiligkeit und Demut zog es Joseph vor, Maria zu entlassen, anstatt sie den Richtern auszuliefern. Joseph war keusch. Er ist sein Leben lang keusch geblieben. Gerade darin gibt er uns heute ein Beispiel. Sie wissen, geliebte Brüder, wie hart es ist, wie viele Gnaden, Kraft und Mut, christliche Kraft und Mut, benötigt werden, um gegen die überschäumende Flut der Unsittlichkeit und Unmoral standzuhalten. Wir brauchen das Beispiel Josephs. Gerade an diesem Ort werden wir besonders für die Jugend beten. Damit die jungen Menschen keusch bleiben und keusch in die Ehe eintreten. Man bereitet sich nicht in der Sünde auf die Ehe vor. Beten wir, daß diese jungen Menschen den christlichen Generationen folgen, die uns vorausgegangen sind und die Keuschheit, Reinheit und Heiligkeit der Ehe neu erblühen. Dafür müssen wir einen wahren Kreuzzug unternehmen. Es muß ein Kreuzzug sein, der sich gegen alles stellt, was die Schönheit und die Größe des Ehesakramentes trüben kann. Bitten Sie darum, daß sich viele jungen Männer, nach dem Vorbild des hl. Joseph, Gott weihen. Der hl. Joseph wurde zum Schützer Jesu auserkoren, um Jesus zu behüten. Bitten wir darum, daß sich auch viele junge Mädchen sich als Vorbild der Jungfräulichkeit Gott weihen. Der hl. Joseph hat uns das Beispiel dieser Keuschheit gezeigt. Er hat uns das Vorbild der Keuschheit und der Loslösung von den Gütern dieser Welt gezeigt.
Betrachten wir, daß der hl. Joseph auch der Vater Jesu genannt wurde. Er war der Vater von dem, der die Welt erschaffen hat, dem alle Reichtümer der Welt gehören und der alle Schätze in die Erde legte, die man heute in ihr sucht.
Gott hat diese Schätze geschaffen. Als Bodenschätze hat er Diamanten, Edelsteine und schließlich das Erdöl in die Erde gelegt. Diese Dinge bilden den heutigen Reichtum der Welt. Gott hat das alles mit seiner Hand und mit seinen Gedanken geschaffen. Nur mit Seinen Gedanken. Joseph lebte in Armut und Einfachheit, losgelöst von den Dingen dieser Welt. Der hl. Joseph hätte der reichste und angesehenste König der Welt sein müssen. Er war der Nährvater Unseres Herrn Jesus Christus. Aber Jesus wollte nicht, daß Joseph im Reichtum lebt. So lebte Joseph von der Arbeit seiner Hände. Jesus wollte, daß Joseph und Maria bis nach Bethlehem gehen. Er wollte, daß seine eigene Geburt in einer Höhle, mitten unter Tieren stattfindet. Das ist die Armut, die Jesus gewählt hat.
Wir müssen also den hl. Joseph darum bitten, daß wir uns von den Gütern dieser Welt lösen können. Jedermann begehrt heute ein immer luxuriöseres, angenehmeres und leichteres Leben. Die Güter dieser Welt will man allen immer leichter zugänglich machen. Josephs Beispiel gerät immer mehr in Vergessenheit. Wir müssen dem Beispiel Josephs und Marias folgen. Wir müssen wissen, daß das Glück nicht in unermeßlichem Reichtum und den Gütern dieser Welt liegt. Vielmehr müssen wir wissen, daß der wahre Reichtum in unseren Seelen liegt, in dem göttlichen Leben, das Unser Herr Jesus Christus uns durch die Taufe verleiht. Hierin liegt der wahre Reichtum. Der hl. Joseph hatte das genau erkannt.
Das dritte Beispiel, das uns Joseph gibt, ist die Unterwerfung unter die heilige Vorsehung. Das Evangelium weist uns deutlich auf die Prüfung hin, die der hl. Joseph zu bestehen hatte. Ich habe Ihnen diese bereits genannt. Als ihm bewußt wurde, daß Maria Mutter wird, bedeutete das für Joseph eine wahrhaft furchtbare Prüfung, gerade weil er die Heiligkeit seiner Braut kannte. Welche Gedanken mußten ihm durch den Kopf gegangen sein! Sicher bereiteten sie ihm schlaflose Nächte. Angesichts dieser Prüfung schickte ihm Gott einen Engel, der ihm mitteilte: „Joseph, fürchte dich nicht, Maria dein Weib zu dir zu nehmen!“ (Mt 1,20). Was in ihr heranreift, ist der Sohn Gottes und stammt vom Heiligen Geist selbst, dem alles möglich ist. Auch deine und Marias Base Elisabeth wird bald ein Kind zur Welt bringen; sie, von der es hieß, sie sei unfruchtbar. Joseph war getröstet. Er bewunderte den Willen Gottes, der ihn zu einer so hohen Aufgabe bestimmt hatte. In seiner Demut fragte er sich, wie es denn möglich ist, daß er, der arme Joseph, ein armer Zimmermann, dazu auserwählt wurde, daß ihm der liebe Gott seine beiden größten Schätze anvertraut: Maria und Jesus. Er betete den Willen Gottes an und fügte sich ihm.
Kaum war diese Prüfung vorbei, kam bereits die nächste. Er mußte, wegen der vom römischen Kaiser befohlenen Volkszählung, nach Bethlehem aufbrechen. Der Kaiser ließ alle Untertanen des römischen Reiches zählen. Alle mußten sich daher an ihren Geburtsort begeben, um sich dort aufzeichnen zu lassen. Da Joseph und Maria Nachkommen der königlichen Familie Davids waren und aus Bethlehem stammten, begaben sie sich auf Befehl des Kaisers dorthin. Dabei stand Maria unmittelbar vor der Geburt ihres Kindes. Joseph mußte bei dem Gedanken verzweifeln, daß dieses Ereignis unterwegs eintreten könnte. Was sollte er tun? Die Engel wachten.
Der hl. Joseph, der sich trotz allem bemühte, eine passende Unterkunft für die allerseligste Jungfrau Maria zu finden, trat in eine Herberge, in einen Gasthof, um zu fragen, ob es nicht doch noch einen Platz für eine Frau gäbe, die unmittelbar vor der Geburt eines Kindes stand. Man wies ihn ab. Man warf ihn hinaus. Da suchte er sich eine Höhle aus. Welchen Trost bedeutete es für ihn, die Hirten und später die Weisen zu sehen, die kamen, um Jesus anzubeten!
Kaum waren diese Ereignisse vorbei, kamen schon neue Prüfungen, sehr harte Prüfungen. Man muß sich in die Lage von Joseph und Maria versetzen, als der Engel zu ihnen sagte: „Joseph, steh auf, nimm das Kind und Seine Mutter und fliehe nach Ägypten!“ (Mt 2,13). Stellen Sie sich das vor! Besonders wenn man weiß, was damals eine Reise von Bethlehem nach Ägypten bedeuten konnte! Dieser Auftrag schien oder mußte wenigstens Joseph als ein Wahnsinn erscheinen. Er sollte mit seiner Frau aufbrechen, die soeben ein Kind geboren hatte. Zudem noch mit einem eben erst geborenen Kind! Viele Tage lang sollte er durch die Wüste reisen! Zweifellos wurden diese Wege viel benutzt, aber vielleicht auch von Räubern und Wegelagerern, die auf stark belebten Straßen ihr Unwesen trieben. Joseph aber reiste ab und nahm seine Frau mit sich. Das Evangelium sagt: „Da stand er auf, nahm das Kind und seine Mutter des Nachts und zog hinweg nach Ägypten“ (Mt 2,14). Er brach auf, ohne zu zögern. Der Befehl war ihm erteilt worden und er reiste ab. Komme, was wolle.
Während der Kindheit Jesu sollte noch eine vierte Prüfung über ihn kommen. Es ist die einzige, die auch bezüglich des hl. Joseph ausführlicher geschildert wird. Sie kennen sie bereits. Joseph und Maria brechen mit dem damals etwa zwölfjährigen Jesus, einem noch recht jungen Knaben, in Gesellschaft ihrer Freunde und Verwandten aus Nazareth zu einem religiösen Fest nach Jerusalem auf. Auf dem Rückweg gaben Joseph und Maria nicht genügend acht. Sie denken: „Jesus ist bei seinen kleinen Freunden.“ „Jesus ist bei seinen Vettern.“ Zweifellos geben sie nicht acht und ziehen zwei Tage lang weiter. Plötzlich aber bemerken sie: Jesus ist nicht da! Sie fragen überall die Freunde, die Nachbarn. „Ist das möglich? Kann das sein?“ Sie kehren beide wieder nach Jerusalem zurück. Wo sollen sie Jesus in Jerusalem finden? Wurde er entführt? Ist er gefangengenommen worden? Wurde er geraubt? So konnte es damals mit Kindern in diesem Alter geschehen, um sie zu Sklaven zu machen und an Sklavenhändler zu verkaufen. Welchen Kummer mußten Maria und Joseph bei diesem Gedanken empfinden! Drei Tage lang blieben sie in diesem Zustand, drei volle Tage lang. Fünf Tage lang suchten sie Jesus! Stellen Sie sich ihren Schmerz vor. Schließlich fanden sie Ihn im Tempel. Er lehrte die Gesetzeslehrer, die über die Antworten Unseres Herrn entzückt waren. Sie fragten sich, was das wohl für ein Kind sei, das in der Heiligen Schrift so bewandert war. Er war imstande, Ihnen auch mehrdeutige oder verschleierte Stellen zu erklären. Nun kam Maria nicht umhin, Jesus einen Vorwurf zu machen: „Dein Vater und ich haben Dich mit Schmerzen gesucht!“ (Lk 2,48). „Dein Vater“, sagte Maria, „und ich haben Dich voll Schmerz gesucht, wir weinten dabei und waren tief betrübt in unseren Herzen!“ Sie kennen die Antwort. Jesus sagte, zuerst müsse Er sich dem widmen, was Seines Vaters sei. Was soll das heißen: „Seines Vaters“? Maria hatte gesagt: „Dein Vater ...“. Jesus erinnert sie dadurch an die Tatsache, daß es noch einen anderen Vater gibt. Den ewigen Vater im Himmel. Er ist dessen Wort, dessen eingeborener Sohn. Er erinnert sie daran, daß Er Gott ist. Dann reisten sie mit Ihm ab.
Joseph lehrt uns, welche Haltung wir in den Prüfungen unseres Lebens einzunehmen haben. Was für ein außerordentliches Vorbild war Joseph! Wenn Joseph, der von Gott auserwählt worden war, um Jesus zu behüten, solche Prüfungen durchzumachen hatte, wie dürfen wir uns dann beklagen, wenn Gott uns Prüfungen schickt? Man könnte meinen, Joseph hätte keine Prüfungen erleiden dürfen. Er hätte von Gott bevorzugt behandelt werden müssen. Im Gegenteil. Gott wollte, daß er geprüft wurde. In der Prüfung, im Opfer und im Schmerz werden die Seelen gestählt und schließen sich Gott an. Wenn die Seelen in der Prüfung die Nichtigkeit der Dinge dieser Welt erkennen, schließen sie sich um so mehr an das Unvergängliche, das Ewige, die geistigen Dinge an, mehr als an die zeitlichen und materiellen. Dieses Beispiel gibt uns der hl. Joseph. Dieses Vorbild muß er für uns sein.
Bitten wir den hl. Joseph, uns in dieser Zeit, die wir durchleben, in dieser Weisheit und Heiligkeit zu bewahren. Er hat uns sein Beispiel als Vorbild gegeben. Bitten wir ihn, daß wir auch in unseren Gedanken und in unserem Tun rein sein dürfen. Bitten wir den hl. Joseph, daß wir uns von den Dingen dieser Welt lösen können und uns den Händen der Vorsehung anvertrauen.
Mit dieser letzten Überlegung will ich diese Predigt schließen. Vertrauen Sie sich den Händen der Vorsehung an! Geliebte Brüder, Sie leiden sicherlich unter dieser Krise der Kirche. Vielleicht leiden Sie auch schweigend darunter. Vielleicht werden Sie in Ihren Gesprächen Anspielungen auf Dinge machen, die Sie gehört oder an unseren Kultstätten gesehen haben. Vielleicht haben Sie sogar im Fernsehen sogenannte religiöse Zeremonien gesehen, die nichts mehr Religiöses an sich hatten. Zeremonien, die ihres sakramentalen Charakters und ihres Geheimnisses entkleidet wurden. Profanierte Zeremonien, um nicht zu sagen gotteslästerliche Zeremonien. Ihr Herz leidet. Besonders diejenigen werden leiden, die die Zeit vor dem Konzil gekannt haben, in der alle Zeremonien schön und heilig waren. Auf Reisen konnte man an den Sonntagen in jede Kirche gehen. Man betrat eine Kirche und fand dort unseren Gottesdienst, unsere Religion, unsere heilige katholische Religion. Überall konnten wir sie finden. Wir bewunderten diese Einheit der Kirche. Überall konnten wir hingehen und uns wie zu Hause fühlen. Wir befanden uns in der Gemeinschaft mit Unserem Herrn Jesus Christus, dem großen Geheimnis unseres Lebens, unserer Existenz und unserer ewigen Bestimmung: Dem Geheimnis Jesu Christi. Damals fand man die unbezweifelbare und wirkliche Gegenwart Unseres Herrn Jesus Christus in unseren Kirchen vor. Wie sieht es heute damit aus? Sie wissen es so gut wie ich, vielleicht sogar auch besser. Sie stehen mehr im Kontakt mit diesen Ereignissen, die sich mitten unter Ihnen abspielen. Manchmal könnten Sie versucht sein, sich an Gott zu wenden und zu sagen: „Mein Gott, Du verläßt uns also? Verläßt Du uns wirklich? Wo finden wir noch das Geheimnis? Dein Geheimnis? Das Geheimnis Jesu Christi? Das Geheimnis der heiligen Messe? Das Geheimnis der allerheiligsten Eucharistie? Das Geheimnis des heiligen Kreuzesopfers? Wo finden wir es wieder?“ An vielen Orten können Sie die Seufzer der Menschen hören, die darüber untröstlich sind, daß sie überall diese Entsakralisierung, Profanierung, Gotteslästerung und den Abfall vom Glauben wahrnehmen müssen. Sie müssen wahrnehmen, wie Kirchen, Seminare und Klöster aufgegeben und zum Verkauf angeboten werden. Dieser Schmerz, den Sie in sich tragen, ist zweifellos ein ähnlicher Schmerz, den der hl. Joseph empfand, als Jesus ihn in gewissem Sinne fünf Tage lang verlassen hatte. Bitten wir Jesus, bitten wir Maria und Joseph, uns in dieser Prüfung, die wir bereits jahrelang erdulden müssen, zu stärken. Wie viele Jahre werden wir noch an dieser Krise der Kirche, dieser langsamen aber unbezweifelbaren Zerstörung der Kirche, den Berufungen, dem religiösen, christlichen Leben zu leiden haben? Gott allein weiß es. Vertrauen wir uns dem lieben Gott an! Haben wir Vertrauen zu Gott! Wir tragen doch Jesus auf unseren Armen, in unserem Herzen und in unserer Seele. Wir dürfen Ihn tragen durch die Gnade der Taufe, durch die Gnade des Sakramentes der Firmung, durch die Gnade der allerheiligsten Eucharistie, jedesmal, wenn wir sie empfangen, durch die heilige Messe, an der wir teilnehmen. Die heilige Messe ist das Opfer von Golgotha.
Wir haben diese Gnade, Gott in uns zu tragen. Gott und Unser Herr Jesus Christus sind mit uns. Sie können sicher sein, wenn Sie diese, dem hl. Joseph geweihte Gebetsstätte besuchen, werden Sie die Quellen des Lebens wiederfinden und weiterhin besitzen, selbst wenn Sie ihre Besuche einige Zeit vernachlässigt oder verloren haben sollten. Hier finden Sie die Quellen der Gnade des übernatürlichen, göttlichen Lebens, das durch die Gnade der Taufe in uns wohnt. Das wird unsere Glorie im Himmel sein. Dieses Leben werden Sie hier wiederfinden. Hier werden Sie an den Quellen des Lebens, der Gnade und der Liebe Ihren Durst löschen können. Die Quellen des Lebens, die durch Jesu Blut gebildet werden, die Jesu Blut darstellen, und das Wasser, das aus der Seitenwunde Jesu floß. Dies ereignet sich jeden Tag auf unseren Altären, auf denen das wahre heilige Meßopfer gefeiert wird.
Danken Sie Gott in Ihrem Schmerz. Wenden wir uns Gott zu, indem wir ihm für alles danken, was Er für uns getan hat. Bitten wir Ihn aus ganzer Seele, daß er wieder viele solcher Heiligtümer in der ganzen Welt entstehen lasse, damit die Seelen, die nach Jesus und nach dem ewigen Leben dürsten, zu den Quellen der Gnade gehen können. Bitten wir heute besonders Maria und Joseph in diesem Sinne.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
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