Das Verhältnis der Piusbruderschaft zum jüdischen Glauben PDF Drucken E-Mail

Frage 13Dieter Graumann hat vor kurzem in einer Soiree in Frankfurt zum Thema "Die Juden in Deutschland und ihr Verhältnis zu anderen Religionsgemeinschaften" seine Abneigung gegen die Piusbruderschaft erneuert. Das größte Problem seien die Piusbrüder, so der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland laut einem Beitrag der Zeitung „Jüdische Allgemeine".

Gerade in der Frage zum Verhältnis der Piusbruderschaft zum Judentum kursieren völlig falsche Auffassungen. So hat jüngst der Dekan der theologischen Fakultät der Universität Wien, Martin Jäggle, behauptet, die Piusbruderschaft stelle das Verhältnis zum Judentum weiterhin in Frage, ja, er versteigt sich zu der Behauptung, man rede „unverändert von Gottesmördern".

Es ist höchste Zeit, in dieser Frage einiges klarzustellen. Pius.info hat dieses wichtige Thema in die Gruppe der FAQs (häufig gestellten Fragen) aufgenommen.

Sie lautet: Wie ist das Verhältnis der Piusbruderschaft zum Judentum?

1. Die Piusbruderschaft hat sich sofort und unmissverständlich von den unsäglichen Aussagen von Bischof Williamson zu der Ermordung und Verfolgung des jüdischen Volkes in der Diktatur der Nationalsozialismus distanziert und sie verurteilt. Der Vater von Erzbischof Lefebvre ist im KZ Sonnenburg ermordet worden! Es ist unfassbar, wie man die Nazi-Verbrechen am jüdischen Volk auch nur im Ansatz verharmlosen kann. (Zur Stellungnahme des Distriktoberen direkt nach Bekanntwerden des Interviews)

2. Die Bruderschaft verbindet eine Liebe zum jüdischen Volk. Es ist das Volk, aus dem die hochheilige Muttergottes hervorging sowie ihr Sohn, der Gottmensch Jesus Christus.

Auch alle Apostel und die ersten Jünger waren Juden, und wie das Beispiel des heiligen Apostels Paulus und vieler anderer zeigt, gab es Jünger aus allen gesellschaftlichen Schichten: von den einfachen Fischern aus Galiläa bis hin zum großen Gesetzesgelehrten, der zu Füßen Gamaliels zunächst das Pharisäertum erlernte, dann aber „Diener Christi" wurde.

3. Die Bruderschaft verkündet offen mit allen Päpsten und dem Lehramt der Kirche, dass Jesus Christus der Heilsweg für alle Menschen ist, unabhängig von ihrer Volkszugehörigkeit oder Abstammung. Jesus Christus ist der Erlöser für uns „Heiden", aber auch für das Volk der Juden. „Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn es ist Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst aber auch dem Heiden." (Röm 1,16)

4. Es ist eine vielverbreiteter Irrtum, das II. Vatikanum habe in der Erklärung „Nostra aetate" dem jüdischen Volk einen „Heilsweg ohne Christus" zugestanden. Auch das II. Vatikanische Konzil bekennt offen die Lehre der Tradition, wenn es schreibt: „Wie die Heilige Schrift bezeugt, hat Jerusalem die Zeit seiner Heimsuchung nicht erkannt, und die Juden haben zu einem großen Teil das Evangelium nicht angenommen, ja, nicht wenige haben sich seiner Ausbreitung widersetzt. ... Zusammen mit den Propheten und demselben Apostel erwartet die Kirche den Tag, der nur Gott bekannt ist, an dem alle Völker mit EINER Stimme den Herrn anrufen und „ihm Schulter an Schulter dienen werden. ... Die Kirche glaubt nämlich, dass Christus, unser Friede, durch das Kreuz Juden und Heiden versöhnt und aus beiden in sich selbst eins gemacht hat." (Nostra aetate 4)

5. Christus war zunächst zum jüdischen Volk gesandt (vgl. Mk 7,27). Erst als sein eigenes Volk ihn ablehnte, ging der Glaube über auf die Heidenvölker (vgl. Röm 11,11). Wenn also Juden den Glauben an Christus annehmen, kann man von Bekehrung, aber auch von einer Rückkehr sprechen. Der Messias, an den wir glauben, ist vor 2000 Jahren aus ihrem eigenen Volk hervorgegangen.

6. Die Bruderschaft verurteilt aufs Schärfste die Aussage, die heute lebenden Juden seien schuld am Gottesmord Jesu Christi. Dieses pauschale Falschurteil war schon im Hochmittelalter obsolet. Thomas von Aquin lehrt in seiner Summa theologica, dass dieser Satz nicht einmal zur Zeit Jesu richtig gewesen wäre. In der Tertia pars (q. 47 a. 5) erklärt er, dass keine Pauschalverurteilung des Volkes zur Zeit Jesu möglich ist. „Populares vero, qui mysteria Scripturae non noverant ... decepti fuerunt a suis prinicipibus ut eum non crederent neque Filium Dei neque Christum. – Ein Großteil des [jüdischen] Volkes, welcher die Geheimnisse der Schriften nicht kannte, wurde von seinen Anführern getäuscht, so dass sie weder als Sohn Gottes noch als Messias an ihn glaubten."

Noch viel unsinniger ist es also, heute lebenden Juden die persönliche Schuld zu geben für die Tötung Jesu. Der einflussreichste Vertreter dieser falschen These ist nachweislich Martin Luther, der in seinem im Jahr 1543 in Jena erschienenen Buch „Von den Jüden und ihre Lügen" einen derart nachhaltigen Antisemitismus grundgelegt hat, dass der Kirchenhistoriker Martin Brecht urteilt: „Luther wurde so fatalerweise zum protestantischen Kirchenvater des Antisemitismus." (Siehe Beitrag pius.info: Luther, der Vater des Antisemitismus) Gerade für die anstehende Luther-Dekade wird es für die protestantische Kirche in Deutschland nicht leicht werden, die schwerwiegenden Verirrungen dieses Kirchenkritikers und Ablehners des Papsttums aufzuarbeiten.

Auch Pater Franz Schmidberger hat eine dahingehende Aussage, die Juden seien schuld am Gottesmord, in seinem Werk „Die Zeitbomben des II. Vatikanischen Konzils" ausdrücklich korrigiert. (Stellungnahme vom 20. Jan. 2009)

7. Die Bruderschaft lehnt es prinzipiell ab, eine Bekehrung mit Hilfe von Gewalt oder Repression anzustreben. Bekehrung ist nicht nur im Fall des jüdischen Volkes, sondern für jedermann ein zutiefst innerlicher und freier Akt des Menschen, zu dem niemand gezwungen werden darf.

Das ist einstimmige Lehre der Theologie seit Anbeginn. So lehrt eben jener Thomas von Aquin: „Infideles nullo modo sunt ad fidem compellendi – Ungläubige dürfen in keinem Fall zum Glauben gezwungen werden", denn, so fährt er fort: „Credere voluntatis est – Der Glaube ist freiwillig." Für das jüdische Volk zitiert er außerdem die Decretaliensammlung Cn 5, in der es heißt: „Bezüglich der Juden bestimmt die heilige Synode, dass niemandem mit Gewalt gedroht werden darf, damit er glaube." (II-II 10 7 c und ag 2)

Daher wendet die Piusbruderschaft jene Mittel an, die für die Ausbreitung des Reiches Christi auf Erden vorgesehen sind: das Gebet und die Predigt des Evangeliums an jene Menschen, welche gewillt sind, das Wort Gottes zu hören.

8. Weil die Kirche um die große Bindung zum jüdischen Volk weiß, hat sie seit alters her nicht nur für die Völker im Allgemeinen, sondern am Karfreitag im Besonderen für das Volk, aus dem der Messias stammt, gebetet. Dies ist kein Affront gegen das Judentum, wie das von Herrn Graumann und Frau Knobloch fälschlicherweise behauptet wird, sondern entspringt einer großen Liebe zum jüdischen Volk. Es ist nicht einzusehen oder nachzuvollziehen, dass der Messias, der den Lebensinhalt und das ganze Glück von uns Katholiken ausmacht (vgl Gal. 2,20), denjenigen verschlossen bleiben soll, die uns diesen wunderbaren Erlöser der Abstammung nach geschenkt haben.

Das Gebet der Kirche am Karfreitag für das jüdische Volk ist ganz im Sinne des Römerbriefes zu verstehen, wo es heißt: „Brüder! Des jüdischen Volkes Rettung ist der Wunsch meines Herzens und der Gegenstand meines Gebetes für sie. Denn ich gebe ihnen das Zeugnis, dass sie Eifer für Gott haben." Ja, die Liebe zu seinem Volk führt ihn zu dem erschütternden Ausruf: „Gerne möchte ich gebannt und vom Messias getrennt sein für meine Brüder, meine Stammesgenossen dem Fleische nach. Sind sie doch Israeliten, denen die Gotteskindschaft zuteil geworden ist und die Herrlichkeit und der Bund und die Gesetzgebung und der Gottesdienst und die Verheißung. Ihnen gehören die Väter an, und aus ihnen stammt dem Fleische nach der Messias, der Gott ist, über allem, hochgelobt in Ewigkeit. Amen."

9. Die Bruderschaft sucht den Dialog mit dem Judentum und wünscht sich nichts sehnlicher, als dass dieser endlich wieder auf theologischer Grundlage geführt werde. Die Bruderschaft wünscht, Seminare, Diskussionsrunden und Gespräche zu führen, bei denen Priester der Bruderschaft und Vertreter der jüdischen (orthodoxen und säkularen) Gemeinden einen theologischen Neuanfang im Dialog wagen.

Hauptmerkmal dieses Neuanfanges wird sein, dass die Diskussion nicht von gegenseitigen Schuldzuweisungen überlagert wird, sondern im gemeinsamen Studium jener Texte besteht, welche sowohl dem jüdischen Volk als auch der katholischen Kirche heilig sind: der Schriften der Väter und Propheten. Aus diesen gilt es, die alles entscheidende Frage zu beantworten:

-> Ist Joshua min Nazareth (Jesus Christus) der von den Ketuvim und Neviim (Schriften und Propheten) angekündigte Maschiach (Messias) oder nicht?


E-Mail




 
 
Brief an die Freunde und Wohltäter Nr. 82

 
Erklärung des Generaloberen Bischof Fellay über die neue Pastoral der Ehe gemäß Kardinal Walter Kasper

 
Mitteilungsblatt

Gerne senden wir Ihnen das monatliche Informationsblatt der Priesterbruderschaft.

Button MB 2

 
Häufig gestellte Fragen

Meistgestellte Fragen

Stellenangebot Erzieherin/Betreuerin (St.-Theresien-Gymnasium)

intro st theresien

 
Brief an die Freunde und Wohltäter - neuer Rosenkranzkreuzzug

mgr fellay lab81

 
Offizielle Erklärung der Bischöfe der Bruderschaft

b weihen intro

 
Die katholischen Jugend der Tradition

tumbnail

 
Video von der Kirchweihe in Berlin (14 min)

kirchweihe berlin

 
Europäische Bürgerinitiative zum Schutz des Lebens

eu initiative

 
Spenden

Helfen Sie mit!
Ihre Spende zählt!

 
Ein Tag im Kloster

schwestern video

 
Aus der Reihe Humor...

 
Helfen Sie dem Theresiengymnasium!

alt

 
Lesen Sie das...

 
Zusammenfassung

Wofür steht die Priesterbruderschaft St. Pius X.?