Die Tugend der Tapferkeit PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 08. April 2011 um 14:05 Uhr

Weil in unserer Welt das Gute oft nur schwer zu erlangen oder zu bewahren ist, hat die Kardinaltugend der Tapferkeit für uns einen entscheidenden Wert. Die Tugend der Tapferkeit disponiert unsere Seele, immer standhaft das Rechte zu wollen und zu tun, ungeachtet der entgegenstehenden Hindernisse und drohenden Übel. Die wahre Tapferkeit können wir in besonderer Weise im Leiden Christi betrachten. Da wir kurz vor der Passionszeit stehen, ist es angemessen, uns das Wesentliche dieser wichtigen Tugend vor Augen zu halten.

Die Tapferkeit hat zwei Akte: das Angreifen (aggredi), das Ausführen schwieriger Dinge und das Ertragen (sustinere).

Das Angreifen: Den Kampf des geistlichen Lebens auf sich nehmen, die Mühen nicht scheuen, die der Kampf gegen die eigenen Fehler mit sich bringt, freiwillige Opfer auf sich nehmen, das verlangt Tapferkeit. Auch das Bekennen und Verteidigen der Wahrheit gegen die Feinde, ungeachtet dessen, was die Menschen dazu sagen werden, auch wenn man sich dadurch dem Widerspruch oder dem Verlachtwerden aussetzt.

Wir sehen diese Tapferkeit bei allen, die Großes für die Ausbreitung des Gottesreiches getan haben: bei den Missionaren, Ordensgründern, hl. Bischöfen usw. Sie mussten unzählige Schwierigkeiten und Hindernisse überwinden. Diesen Akt der Tapferkeit sehen wir natürlich am besten in Christus, der unerschrocken das Bekenntnis der Wahrheit vor seinen Feinden ablegte. Als die Menschen ihn nach der eucharistischen Rede in Scharen verließen, fragte er seine Jünger: „Wollt auch ihr gehen?“ Auch in der Tempelreinigung sehen wir dieses Angreifen.

So heißt es im Psalm: „Handelt mannhaft und stärkt euer Herz!“, und der hl. Paulus schreibt ganz ähnlich: „Handelt mannhaft und stark“ (1 Kor 16,13)

Das Ertragen: Zur Tapferkeit gehört auch das Ertragen aller Widerwärtigkeiten, Leiden, Verfolgungen und selbst des Todes. Christus sagt den Jüngern: „Fürchtet nicht diejenigen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen“ (Mt 10,28), und Paulus schreibt seinem Schüler: „Alle die in Christus Jesus gottselig leben wollen, werden Verfolgung leiden“ (2 Tim 3,12). Bei Christus sehen wir dieses Aushalten vor allem in seiner Passion.

Der hl. Thomas v. Aquin betont nun, dass das Aushalten der schwierigere Akt ist. Das Angreifen kann manchmal relativ einfach sein, vor allem wenn man ein angriffslustiges Naturell hat. Meist handelt es sich nur um eine relativ kurze Anstrengung und oft bringt es Ruhm. Die Feinde des Glaubens unerschrocken angreifen, ihnen die Maske vom Gesicht reißen, erfordert zwar Mut, oft erleichtert aber auch die Leidenschaft diesen Angriff. Ebenso sieht derjenige, der ein schwieriges Unternehmen ins Werk setzen will, oft mehr die Größe des Werks als die Schwierigkeiten, er ist angezogen von seiner Schönheit, so dass die Schwierigkeiten ihn nicht abschrecken.

Dagegen ist das Aushalten von Leiden für unsere Natur schwierig, besonders wenn es lange dauert. Es ist auch meistens nicht so ruhmbringend. Die Heiligen, die große Werke vollbracht haben, stehen leichter im Vordergrund als die stillen Büßer. Dennoch hat Christus uns gerade durch das Ertragen aller Leiden, besonders des Kreuzestods erlöst! Die Annahme des Kreuzes ist darum der wichtigste Akt der Tapferkeit. Tapfer ist, wer dem Leiden nicht zu entfliehen versucht, sondern es annimmt, sei es Krankheit, Enttäuschung, Misserfolg, Verfolgung oder selbst der Tod.

Es gibt zwei Verfehlungen gegen diese Tugend:

1. Die Angst: Angst zu haben, ist noch nicht gegen die Tapferkeit, aber sehr wohl, wenn man sich von der Angst bestimmen lässt, wenn man ihr nachgibt, wenn man flieht und den Unannehmlichkeiten aus dem Weg geht.

Das Gebaren der Kirche seit dem II. Vatikanum hat auch etwas mit Angst vor der Welt zu tun: das Aufgeben des Wahrheitsanspruchs, das Ablegen der Soutane, der Rückgang der Präsenz der Kirche im öffentlichen Leben.

2. Die Tollkühnheit: Man setzt sich ohne genügenden Grund einer Gefahr aus. Meist ist es mit zu großem Vertrauen auf sich selbst verbunden. Der wahrhaft Tapfere baut auf den Beistand Gottes.

Tugenden, die mit der Tapferkeit zusammenhängen gibt es nach Thomas vier: zwei, die uns helfen, große Dinge zu tun: Großmut bzw. Hochherzigkeit (magnaminitas) und Großzügigkeit (magnificentia); zwei, die uns helfen, richtig zu leiden: Geduld (patientia) und Beharrlichkeit (perseverantia).

Hochherzigkeit ist die edle Neigung, große Dinge für Gott und den Nächsten zu tun. Dafür scheut sie auch keine Mühe und Opfer. Wir sehen diese Großmut bei Christus, der sich sehnte, sein Leben für unsere Erlösung hinzugeben: „Mit einer Taufe habe ich getauft zu werden, und wie drängt es mich, daß sie vollbracht werde“ (Lk 12,50). „Mit großer Sehnsucht habe ich mich gesehnt, dieses Pascha mit euch zu essen.“

Diese Hochherzigkeit möchte er auch bei uns sehen: „Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen, und wie wünschte ich, dass es schon entzündet wäre“ (Lk 12,49). Wir sollen also den Wunsch haben, große Dinge zu tun. Dinge, die auch vor Gott groß sind. Das hat nichts mit Stolz zu tun, wenn wir das Große nicht für uns, sondern für die Ehre Gottes tun wollen. Der Großmütige ist auch bereit, alle Leiden und Demütigungen anzunehmen, die dafür notwendig sind. Man soll große Wünsche haben, sagte die hl. Theresia v. Avila. Die Hochherzigkeit muss auch insofern von der Demut geprägt sein, als man das Große nicht im Vertrauen auf die eigenen Kräfte, sondern im Vertrauen auf die Hilfe Gottes vollbringen möchte.

So erhebt sich auch die Großherzigkeit als ein Gipfel über zwei Abgründen: Der Vermessenheit (ungeordnetes Selbstvertrauen), dem Ehrgeiz (Streben nach eigener Ehre) und der eitlen Ruhmsucht auf der einen Seite, Verzagtheit und Kleinmut auf der anderen Seite. Der Kleinmut gibt bei der geringsten Schwierigkeit auf oder nimmt aus Angst vor Schwierigkeiten erst gar nichts Großes in Angriff. Dante nennt solche „Memmenseelen“. Der Kleinmütige nennt sich vielleicht demütig, aber in Wirklichkeit ist es nur Schwäche und vielleicht auch eine besondere Art von Stolz: Es könnte ja schief gehen und wie stehe ich dann da. So etwas hat die Demut in Verruf gebracht.

Die Großzügigkeit betrifft mehr die materiellen Mittel. Man ist bereit, seine Güter zu verwenden, um wichtige Werke zu unterstützten oder ins Werk zu setzen. Sie steht über Knauserei und Verschwendung.

Die Geduld benötigen wir im Leiden. Sie verhindert, dass man den Frieden im Leiden verliert, dass man gebrochen wird. Unsere Welt ist so beschaffen, dass die letzte Probe der Tapferkeit nicht im Angreifen, sondern im geduldigen Aushalten besteht. „Seht, ich sende euch wie Lämmer unter die Wölfe.“ Das Martyrium ist die Krone der Tapferkeit, es besteht im geduldigen Ertragen des Todes für den Glauben oder eine Tugend. Christus spricht auch vom „Frucht bringen in Geduld.“ In unserem Leben braucht alles seine Zeit, auch im geistlichen Leben.

Beharrlichkeit: Es genügt nicht, ab und zu geduldig zu sein, ab und zu das Gute zu tun, sondern: „Wer ausharrt bis ans Ende, wird gerettet werden.“ Das Schwierige beim Leiden oder beim Streben nach der Vollkommenheit ist, dass es so lange dauert. Einmal die Zähne zusammenbeißen und etwas durchstehen, das geht noch. Aber jahrelang ein Leiden tragen, bei dem man das Ende nicht absehen kann, das ist schwer. Wenn die Heiligkeit mit einer Anstrengung innerhalb weniger Wochen zu erlangen wäre, würden sicher relativ viele sie erreichen. Aber jahrelang sich bemühen, nur langsam vorankommen, vielleicht immer wieder zurückgeworfen werden, das ist schwierig.

Tapferkeit wird vollendet durch die Gabe der Stärke. Wenn der Heilige Geist uns durch diese Gabe bewegt, fällt es uns leicht, heroische Akte der Tapferkeit hervorzubringen. Wenn die Martyrer sich manchmal in ihren Leiden glücklich priesen und sich freuten, ist das dieser Gabe zuzuschreiben.

 


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