Predigt zur Nachprimiz von Pater Amberger anlässlich der Altöttingwallfahrt PDF Drucken E-Mail
Montag, den 13. August 2012 um 16:07 Uhr

weigl predigtAnlässlich der diesjährigen Altötting-Wallfahrt hielt Pater Amberger die Abschlussmesse als Nachprimiz. Pater Michael Weigl, Prior von Bonn, hielt die Festpredigt, welche Sie jetzt auf pius.info nachlesen können.

Eructavit cor meum verbum bonum: Dico ego ópera mea Regi. Aus meinem Herzen strömt ein hohes Lied: Ich weihe mein Werk dem König (Ps 44/45,2; Eingangslied der Messe zu Ehren der allerseligsten Jungfrau).

Hochwürden, Pater Amberger - lieber Franz, Verehrte Angehörige des Neupriesters, liebe Mitbrüder und Pilger,

nicht umsonst gibt es den Ausdruck „Muttersprache“[1], der bestätigt, daß die erste und damit auch entscheidende Erfassung und Erfahrung der Welt in den Händen der Mutter liegt.

Unser Gründer, Mgr. Marcel Lefebvre, hat uns seinerzeit noch in Ecône einen kurzen Aufsatz von einem seiner Lehrer, Père le Rohellec[2], über Maria als Mutter der Priester vorgestellt. Darin wird ausgeführt, daß die erste Kathedrale, in der die Salbung des einzigen Hohenpriesters stattfand, der Schoß der Jungfrau Maria war, indem das göttliche Wort durch den Heiligen Geist in ihr Fleisch annahm. Ebenso gebiert die Allerseligste Jungfrau auch jeden Priester im Mystischen Leib, nicht nur als Vermittlerin aller Gnaden, sondern insbesondere als Mutter all derer, die am besonderen, sakramentalen Priestertum ihres einzig geliebten Sohnes Anteil haben. Als Deine eigentliche Priestermutter hat sie Dich auch die „himmlische Muttersprache“ gelehrt. Jeder von uns kennt das „fiat“ - „siehe die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte“ (Lk 1,38), und das „magnificat“ - das „hoch preise meine Seele den Herrn“ (Lk 1,46). Wohl kein Mensch hat besser als die Makellose die Absichten Gottes, die Symbole und die Bilder seiner Herrlichkeit in der Schöpfung erkannt. Und wer könnte tiefer in das barmherzige Gnadenwirken Gottes bei seiner Erlösungsordnung eingedrungen sein, als die unbefleckte Jungfrau. Und diese einzelnen Bilder bzw. Begriffe, bis hin zur gesamten Erlösungsordnung hat sie uns, vergleichbar wie jede Mutter ihr Kind zum sprechen bringt, als Mittlerin aller Gnaden und als geistliche Mutter des gesamten mystischen Leibes in unser Herz gesenkt. So lehrt sie auch die Fortsetzung des Lobes Gottes durch unseren Herrn Jesus Christus: „Aus meinem Herzen strömt ein hohes Lied: Ich weihe mein Werk dem König“ (Ps 44/45,2) - als Bekenntnis ihrer Hingabe an Gott, aber letztendlich als gottmenschlicher Lobgesang der göttlichen Barmherzigkeit durch die Menschheit unseres Herrn Jesus Christus. Nicht mehr und nicht weniger, lieber Franz, ist Dein Priesterleben als „Mann Gottes“, nicht nur vor Gott, sondern auch vor allen gläubigen Menschen durch Maria, die auch Dich geheimnisvoll zum Priestertum geboren hat. Und da sie Mutter ist, und keineswegs Emanze, gilt ihr Lob und ihre Liebe Gott allein und Seiner Schöpfung gemäß göttlichem Schöpferplan.

1° Aus meinem Herzen strömt ein hohes Lied - das Lob des barmherzigen Vaters

 Die erste, eigentliche Sendung des Priesters, seine entscheidende Bestimmung, ist das Lob Gottes, unsere Vatergottes[3]. Selbst eine gefallene, in Revolution gegen Gott befindliche Welt kann Seine Schöpferliebe nicht überwinden. Der barmherzige Vater nimmt nichts von seiner Liebe gegen die Geschöpfe zurück, sondern will dieselben liebevoll heimführen. Und Er kann und will, vom Erlöserblut Seines einzig geliebten Sohnes „bestochen“, nicht einfach nur vergessen und vergeben, sondern gnadenhaft mit seiner Liebe, mit seinem Leben das Innerste des Menschen beglücken. Was kann es also Erhabeneres geben, als den barmherzigen Vater zu loben und seine inneren Augen auf seine Langmut und Milde gerichtet zu haben. „Et nos credidimus caritati - und wir haben an die Liebe geglaubt“ (1 Joh 4,16) ist deshalb der bischöfliche Wappenspruch des Gründers der FSSPX gewesen und Du mögest Dein ganzes Priesterleben diesen Blick auf das Eigentliche und Entscheidende ebenso nie aus den Augen verlieren.

2° Ich weihe mein Werk dem König - die Anteilnahme am Priestertum Jesu Christi

Christi Wirken tritt zwar hinter dem Vater des dreifaltigen Gottes zurück, ist aber nachweisbar primär väterliche Sorge und Hingabe für seine Geschöpfe. Gerade während und nach der Nazizeit wurde in Deutschland darüber in katholischen Kreisen viel reflektiert und ich möchte dazu einen leider ziemlich unbekannten Geistlichen, nämlich Heinrich David, zu Wort klommen lassen: „Wir müssen gestehen, es kommt uns zunächst ungewohnt an, von einer Vaterschaft Christi zu sprechen. Er selbst nennt sich ausdrücklich niemals ‚Vater’, und die Evan­gelisten geben ihm diesen Namen auch nicht. Im Alten Testament wird dem künftigen Messias an einer Stelle der Vatername ausdrücklich beigelegt, beim Propheten Isaias (9,6): ‚Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft ruht auf seinen Schultern. Sein Name lautet: Wunderbarer, Ratgeber, starker Gott, Vater auf ewig (Pater futuri saeculi).’ Diese Stelle ist in die Weihnachtsliturgie aufgenommen. […]

Die Weise nun, in der Christus in der Eucharistie den Menschen Leben spendet, setzt er in Parallele zur ewi­gen Vaterschaft Gottes ihm gegenüber: „Wie ich durch den Vater lebe, so wird auch der, der mich ißt, leben durch mich“ (Joh. 6,57). Christus bringt also seine Mit­teilung göttlichen Lebens an die Menschen in der Eucha­ristie mit der ‚Vaterschaft’ Gottes ihm gegenüber in Beziehung. Und zwar ist seine gottmenschliche Vater­schaft die Ausbreitung der ewigen Vaterschaft Gottes auf die Menschen.“ […]

Daß Christus sich wirklich als Vater der begnadeten Menschen wußte, sieht der hl. Augustinus ausgedrückt in dem Wort: ‚Ich will euch nicht als Waisen zurück­lassen, wenn ich aus dieser Welt zum Vater gehe’ (Joh. 14,18f.). Er schreibt: ‚Obwohl uns also der Sohn Gottes seinem Vater zu Adoptivsöhnen gemacht und gewollt hat, daß wir den nämlichen zum Vater haben sollten durch die Gnade, der sein Vater ist durch die Natur, so zeigt er dennoch auch selbst gegen uns ge­wissermaßen eine väterliche Zuneigung, indem er spricht: Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich werde zu euch kommen.’[4] Eine solch ‚väterliche Zuneigung’ dürfen wir auch angedeutet sehen in den Worten des Herrn, in denen er seine Jünger anspricht als ‚filioli’, ‚Kindlein’. (Heinrich David, Über das Bild des christlichen Mannes, Freiburg im Breisgau 1953, 29-33.)

Dein priesterliches Wirken ist also, als unwürdiger Diener Christi, die Vorbereitung und Vermittlung des göttlichen Lebens Christi selbst. Sorge daher als wahrer Vater für Deine geistlichen Kinder, welche Dir hundertfältig schon in diesem Leben - allerdings unter Verfolgung (vgl. Mk 1029-31) - werden geschenkt werden für alles, was Du um Christi willen zurückgelassen hast, oder noch wirst verlassen müssen. 

3° Ich weihe mein Werk dem König - In der Kraft des Heiligen Geistes

Das erste in der Absicht, also das Motiv, wird erst am Ende des Wirkens erreicht. Damit Dein glücklich begonnenes Priesterleben auch gottgefällig vollendet wird, muß es unter der Herrschaft und dem Wirken des Heiligen Geistes bleiben. So wirst Du schließlich die in Dich gesenkte göttliche Liebe nähren und vollenden[5]. Der Heilige Geist wird ja, nach dem Zeugnis unseres Herrn, dessen Mission vollenden. Nach Thomas von Aquin haben aber Liebe und Haß dieselbe seelische Quelle. Deine Liebe wird daher ebenso nach deinem Haß gegen das Böse und die Sünde - nicht aber die Sünder - bemessen werden. Der Kampf gegen Unglauben und Irrglauben ist männlich zu führen, aber niemals als Leitmotiv, sondern immer nur als Konsequenz. Oder nach den eigenen Worten unseres Herrn: Lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen“ (Mt 11,29). Für Evagrius Pontikos ist das die unerläßliche Voraussetzung zum ruhigen Gebet, denn „Das Gebet ist eine wundervolle Blüte der Demut und Milde“[6]. Die Kraft wahrer Sanftmut kommt allerdings nur durch das Wirken des Heiligen Geistes zustande, wir arme Menschen sind damit, auf uns gestellt, heillos überfordert. Doch durch die Gaben des Heiligen Geistes und die Standesgnaden kannst Du immer darauf vertrauen, ein Abglanz des väterlichen Wirkens Gottes zu sein.

 Denke also stets bei Deinem Wirken an Deine vollkommene geistliche Mutter und vergiß nie die Sprache, die sie dich gelehrt hat. Dann werden Deine Worte und Dein Tun in übernatürliche Gnaden eingebettet sein. Ja, selbst in den Prüfungen des Lebens wirst Du nicht an der göttlichen Liebe zweifeln, sondern durch die aus ihr fließende Sanftmut erstarken und Dein heiliges Ziel erreichen.

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[1] Gewöhnlich wird dieser Ausdruck Martin Luther zugeschrieben, laut Brockhaus ist er aber wesentlich älter und kommt im Niederdeutschen seit 1424 und in mittellateinischen Quellen als „lingua materna“ schon im 14. Jahrhundert vor.

[2] „Maria und das Priestertum“ von Pere J. Le Rohellec (Prof. au Séminaire Français).

[3] Vgl. dazu die Arbeit von François-Xavier Durrell, Der Vater - Gott in seinem Mysterium, St. Ottilien 1991.

[4] Augustinus, Vorträge zum Johannesevangelium 75, 1, in: Bibl. Kath. Kirchenväter VI, S. 96.

[5] Zum Nonsens der sogenannten „Heiligen Geistin“ vgl. die inzwischen zum Klassiker gewordene Dissertation von Manfred Hauke, Die Problematik um das Frauenpriestertum vor dem Hintergrund der Schöpfungs- und Erlösungsordnung, Paderborn 1982, 271-273.

[6] Or 14; oder „Liebt jemand das wirkliche Gebet, überlässt sich aber dem Zorn und dem Groll, muss man ihn für verrückt halten. Er gleicht nämlich einem Menschen, der, um klar sehen zu können, sich die Augen auskratzt“, Or 64, in: Evagrius Ponticus, Über das Gebet - Tractatus de oratione, Münsterschwarzach 2011, 43 und 54; ähnlich: „Wenn du nach dem reinen Gebet verlangst, nimm dich in acht vor Zorn!“ und „Besser ein sanfter Weltling als ein zorniger und wütender Mönch. Besser eine sanfte Ehefrau als eine wütende und zornige Jungfrau“ in: Gabriel Bunge, Drachenwein und Engelsbrot. Die Lehre des Evagrius Pontikos von Zorn und Sanftmut, Würzburg 1999, 78 und109.


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