Hätte man den Auferstandenen fotografieren können? PDF Drucken
Samstag, den 28. Juli 2012 um 18:21 Uhr

jesus grabIn der Dogmatik von Erzbischof Müller, dem neuen Glaubenspräfekten, findet sich folgender Satz: „Eine laufende Filmkamera hätte weder das Auferstehungsereignis, ..., noch die Ostererscheinungen Jesu vor seinen Jüngern in Bild und Ton festhalten können." (S. 300)

Damit findet er sich in guter Gesellschaft mit Hans Küng, der ebenfalls in Hinblick auf die Auferweckung Jesu behauptete: „Zu fotografieren und registrieren gab es nichts." (Christ sein, 41974, S. 339)

Ähnliche Behauptungen finden sich bei vielen modernen Theologen. (Bild: Giovanni Bellini: Christus im Grab)

Damit niemand glaube, wir hätten im Müllerzitat etwas Wichtiges weggelassen, sei hier noch angeführt, was an der mit Auslassungspunkten gekennzeichneten Stelle steht: „...das im Kern der Vollzug der personalen Relation des Vaters zum menschgewordenen Sohn im Heiligen Geist ist...". Dieses Geschwafel hat offenbar den Zweck, den Leser zu verwirren und einzuschüchtern, damit er nicht wagt, gegen das Gesagte Einspruch zu erheben. Die Kunst, es mit Hilfe bombastischer Worthülsen zu verschleiern, wenn man von der Lehre der Kirche abrückt, hat Müller vielleicht von Karl Rahner gelernt, der darin jedenfalls ein Meister war.

Nun, wenn eine Filmkamera wirklich nichts vom Auferstehungsereignis hätte festhalten können, dann hätte sie zeigen müssen, dass der Leichnam Jesu weiterhin im Grab lag! Das ist aber nicht die Meinung Müllers, denn er schreibt: „In jedem Fall ... muss die Machttat Gottes an Jesus auch den toten Leib impliziert haben. Die Feststellung, dass Jesu Leichnam noch im Grabe ruhe, wäre ein unüberbrückbarer Widerspruch zur Osterverkündigung gewesen." (S. 303) Damit hätte eine laufende Filmkamera also doch zumindest zeigen müssen, wie der Leichnam plötzlich verschwand, oder?

Als Begründung, warum eine Kamera den Auferstandenen nicht hätte festhalten können, schreibt Müller: „Den technischen Apparaten oder auch den Tieren fehlt im Unterschied zur menschlichen Vernunft die Möglichkeit einer transzendentalen Erfahrung und damit auch des Angesprochenwerdens durch das Wort Gottes in der Vermittelung sinnlich fassbarer Phänomene und Zeichen." (S. 300) Zweifellos könnte eine Kamera nicht die Wahrheit darstellen, dass Jesus der Messias, der Sohn Gottes, ist. Das hätte sie aber auch vor der Auferstehung nicht gekonnt. Warum hätte sie aber auch die sinnlich fassbaren Phänomene des Auferstandenen nicht festhalten können? Das wäre doch nur der Fall, wenn die Begegnungen mit dem Auferstandenen reine Visionen waren, Erkenntnisbilder, die Gott dem Verstand der Glaubenden schenkte, denen aber nichts den Sinnen Fassbares entsprach.

Das widerspräche aber ganz der Lehre der Heiligen Schrift. Das Evangelium berichtet, wie Jesus, als die Apostel zweifelten, ob sie vielleicht nur eine Erscheinung sähen, ihnen sagte: „Seht meine Hände und meine Füße! Ich bin es selbst. Betastet mich und überzeugt euch! Ein Geist hat doch nicht Fleisch und Bein, wie ihr es an mir seht." (Lk 24,39) Auch der Apostel Thomas wird aufgefordert, seinen Finger in die Wundmale der Hände und seine Hand in die Seitenwunde zu legen (Joh 21,27). Der Auferstandene isst sogar mehrmals mit den Jüngern, um sie von der Wirklichkeit seiner leiblichen Auferstehung zu überzeugen. Daher wäre es grundsätzlich auch möglich gewesen, den Auferstandenen zu filmen oder zu fotografieren. Die gegenteilige Behauptung verflüchtigt das Faktum der Auferstehung in einen unbiblischen Spiritualismus.

Eine Ausnahme müssen wir allerdings machen: Wir lesen vom Auferstandenen, dass er plötzlich verschwinden und sein Äußeres verändern konnte. Der verklärte Leib hat seine natürliche Schwerfälligkeit verloren und steht völlig unter der Leitung der Seele, er hat geistähnliche Eigenschaften angenommen. Daher hätte es Jesus, wenn er wollte, tatsächlich verhindern können, dass eine Kamera ihn aufnimmt. Aber das ist etwas ganz Anderes als die grundsätzliche Unmöglichkeit eines Fotos, wie sie Erzbischof Müller behauptet.

Es fällt im Übrigen auf, dass Müller nicht vom verklärten Leib spricht. Er schreibt zwar von der „Rettung und Vollendung des Menschen Jesus in allen zum Wesen des Menschen gehörenden metaphysischen Konstituentien von Geist und Materie", aber dies lasse sich nicht „in ein raum-zeitliches Anschauungskontinuum übersetzen" (S. 303). Was „die zeichenhafte Einbeziehung des toten Leibes Jesu in die Auferstehungsgestalt des verklärten Herrn" (S. 304) bedeutet, wird nicht erklärt.

Somit bleibt als Gesamteindruck, dass sowohl konservative als auch modernistische Theologen mit dem Text von Müller leben können. Die Konservativen werden beruhigt feststellen, dass Müller weder die Auferstehung noch das leere Grab leugnet, während die Progressiven darauf hinweisen können, dass Müller nicht in der traditionellen Weise über die Auferstehung spricht und damit für neue Deutungen offen ist.


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